28.03.2022

Ukraine-Krieg

Nowaja Gaseta stellt Betrieb vorläufig ein

Die kremlkritische Zeitung reagiert mit diesem Schritt auf den Druck russischer Behörden. Dazu kam es, weil die Redaktion inzwischen die zweite Verwarnung von der Medienaufsicht Roskomnadsor erhalten habe.
Ukraine-Krieg: Nowaja Gaseta stellt Betrieb vorläufig ein
Die von Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow geführte Zeitung ist eines der letzten verbliebenen unabhängigen Medien in Russland. (Bild: Keystone/AP Photo/Alexander Zemlianichenko)

Die Ausgaben im Internet und auf Papier werden bis «zum Ende der ‹Spezialoperation auf dem Gebiet der Ukraine›» nicht mehr erscheinen, teilte die Redaktion am Montag im Kurznachrichtendienst Twitter mit, der in Russland blockiert ist. Die von Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow geführte Zeitung ist eines der letzten verbliebenen unabhängigen Medien in Russland.

Zu Begründung nannte die Nowaja Gaseta, dass die Redaktion inzwischen die zweite Verwarnung von der Medienaufsicht Roskomnadsor erhalten habe. Bei zwei solchen Verwarnschreiben der Behörden drohe in Russland der Entzug der Lizenz, hiess es. Demnach soll es das Blatt versäumt haben, bei einem Artikel den Zusatz «ausländischer Agent» zu erwähnen. Wer etwa als Nichtregierungsorganisation oder als Medium Geld aus dem Ausland erhält, muss sich auf Anweisung der Behörden als «ausländischer Agent» bezeichnen. Viele Betroffene kritisieren die Bezeichnung als stigmatisierend.

Chefredaktor Muratow hatte den Krieg von Kremlchef Wladimir Putin gegen die Ukraine öffentlich kritisiert. Die Zeitung hatte nach Erlass eines neuen Gesetzes zur Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit in Russland darauf verzichtet, von einem «Krieg» zu schreiben. Das Wort ist geächtet in Russland. Allerdings brachte die Nowaja Gaseta zuletzt grosse Reportagen über das Leid der Menschen im Zuge des Kriegs. (sda/dpa/tim)


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