20.09.2010

Artikelaustausch

Nun schreibt selbst der AZ-Chefredaktor für die BaZ

"Aargauer Zeitung" und "Basler Zeitung" keine Grenzen mehr.

An einer Podiumsdiskussion in Basel vor genau einem Monat hatte BaZ-Verleger Martin Wagner davon gesprochen, dass er mit Peter Wanner, Chef der AZ Medien, über Kooperationen verhandle, dies jedoch bloss in den Bereichen Druck, Werbeverkauf, Online und Sonntagausgabe ("persoenlich.com" berichtete). "Wenn ich Kooperationsmodelle sehe, dann sehe ich sie auf wirtschaftlicher, nicht auf publizistischer Ebene", stellte er klar.

Doch mittlerweile nimmt die Zusammenarbeit gerade auf publizistischer Ebene immer dreiste Formen an. So erschienen am letzten Samstag (18. September) in der BaZ und in der Aargauer Zeitung (inklusive der dazu gehörenden Basellandschaftliche Zeitung bz) je zwei identische Interviews mit den SP-Bundesratskandidatinnen Jacqueline Fehr und Simonetta Sommaruga. Der einzige Unterschied: In der AZ waren die Interviews je seitenfüllend mit grossem Bild aufgemacht, in der BaZ fanden sie nebeneinander auf insgesamt einer Seite Platz. Die Fragen und Antworten waren jedoch identisch, in einem Fall auch der Titel. Und natürlich stammten die Interviews auch von denselben Autoren: Von AZ-Chefredaktor Christian Dorer und AZ-Inlandchef Gieri Cavelty.

Schon vor drei Wochen berichtete "persoenlich.com" über ein seitenfüllendes Interview, das in beiden Zeitungen (und auch in der bz) erschien). Damals stammte es von einem BaZ-Bundeshausredaktor. Fünf Tage später traf dann vom neuen BaZ-Chefredaktor Markus Somm folgende bedauernde Stellungnahme ein: "Es ist so, dass wir mit der AZ gelegentlich kooperieren. Dass das gleiche Interview am gleichen Tag kommt, ist aber suboptimal."

Dass aber die ausgetauschten Interviews nicht nur seitenfüllend und gleichentags erscheinen, sondern neu auch noch vom einen Chefredaktor mitverfasst sind, geht weit über das hinaus, was bisher als inhaltliche Kooperation zwischen zwei eigenständigen Zeitungen üblich war. Und es ist mit Garantie kein Versehen mehr. Fazit: BaZ, bz und AZ haben punkto inhaltlicher Angleichung alle Hemmungen abgelegt. Von der hochgehaltenen Medienvielfalt kann keine Rede mehr sein. Die Annäherung ist so gut wie perfekt.

Übrigens: Im erwähnten Mail an "persoenlich.com" fügte BaZ-Chefredaktor Markus Somm noch folgende Bitte an: "Es würde mich freuen, wenn Sie uns weiterhin kritisch begleiten. Die Erwartungen sind zu Recht hoch. Je anspruchsvoller die Leser, desto besser werden wir Journalisten." Dieser Wunsch ist uns Befehl. (Text: Markus Knöpfli)


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