Eine aktuelle Werbemail von The Market preist nicht nur die eigenen Vorzüge an. Die Werbung für ein rabattiertes Abonnement des Online-Finanzmagazins der NZZ verweist gleichzeitig auf die mindere Qualität eines Mitbewerbers. In der Kopfzeile steht gross: «Inside The Market statt Inside Paradeplatz. Besser informiert ist besser investiert.» Als ob dieser Seitenhieb gegen den Mitbewerber nicht schon reichte, um den Mehrwert des eigenen Angebots hervorzuheben, legt The Market noch eine Schippe drauf. In der Werbemail heisst es weiter: «Gerüchte am Paradeplatz mögen der Unterhaltung dienen – für Ihre Anlageentscheidungen sind sie eine wenig belastbare Grundlage. Wer an den Märkten Erfolg sucht, braucht fundierte Analysen statt Hörensagen.»
Aber warum hat sich The Market auf Inside Paradeplatz eingeschossen? Will die NZZ-Tochter dem Online-Portal gezielt Publikum abwerben? Einen solchen handfesten Hintergrund habe die Werbung nicht, erklärt Mark Dittli auf Anfrage. Der Slogan sei «nur ein Wortspiel mit Augenzwinkern», so der Gründer und Geschäftsführer. Er ergänzt: «Wir kennen und schätzen alle unsere Mitbewerber sehr.» Tatsächlich scheint Lukas Hässig, der Betreiber von Inside Paradeplatz (IP), das Vorgehen der Konkurrenz nicht zu stören. «Hauptsache, IP wird richtig geschrieben», kommentiert Hässig die Abo-Werbung. Seine Gelassenheit mag auch daher rühren, dass die The Market und Inside Paradeplatz weniger miteinander gemeinsam haben als die Abwerbung vermuten lässt. Die NZZ-Tochter ist ein Fachmagazin für Anleger mit tiefschürfenden Analysen, das Hässig-Portal dagegen gleicht eher einem Blog und bietet Wirtschaftsboulevard.
Die aktuelle Abo-Werbung von The Market mit einem Seitenhieb gegen einen Mitbewerber ist nicht die erste in dieser Art einer NZZ-Publikation. Vor drei Jahren wählte NZZ Deutschland den gleichen Weg und stichelte gegen die Konkurrenz mit Slogans wie, «Sie können nicht mehr in den Spiegel blicken?» oder «Die Zeit können Sie sich sparen.» (persoenlich.com berichtete). Ebenfalls auf eine Wortspielwerbung mit den Namen der Mitbewerber setzte Blick Romandie im Herbst 2025.

