04.04.2012

"Bild"

Peter Wälty findet Strafanzeige absurd

Schweizer Chefredaktoren zur Sommaruga-Anzeige.

"Das lassen wir uns nicht länger gefallen", schaltete sich "Bild" am Mittwoch prominent in den Steuerstreit zwischen der Schweiz und Deutschland ein. Die deutsche Boulevardzeitung dreht nach eigener Aussage "den Spiess um". Auf den Haftbefehl der Schweiz gegen die drei deutschen Steuerfahnder reagiert "Bild" ihrerseits mit einer Strafanzeige gegen Justizministerin Simonetta Sommaruga (vgl. persoenlich.com).

Was halten die Schweizer Chefredaktoren von der "Bild"-Aktion? Peter Wälty (Chefredaktor von "Newsnet"/"Tagesanzeiger") und Patrik Müller (Chefredaktor vom "Sonntag") sind sich einig. Beide zeigen sich alles andere als begeistert über das Vorgehen:

Peter Wälty

"Das ist Boulevard aus dem Lehrbuch: Chefredaktor Kai Diekmann lässt von seiner Mannschaft den Volkszorn herbei schreiben und macht sich gleichzeitig zum Verwalter desselben, indem er eine absurde Strafanzeige gegen ein Mitglied der Schweizer Regierung einreicht. Das Blatt begibt sich so in die Rolle des Volkstribuns, wird zum Fürsprecher des angeblich über die Machenschaften der Schweizer Banken empörten Bruttosozialproduzenten. Dass der primäre Übeltäter, nämlich der vermögende Steuerhinterzieher mit deutschem Pass, bei der Bild-Attacke vollkommen ungeschoren davon kommt, scheint niemanden gross zu stören. Was mich ein wenig wundert, ist, dass die sonst stramm konservative Bild-Zeitung in dieser Angelegenheit den kläffenden Duktus der deutschen Sozialdemokratie nachäfft."

Patrik Müller

"Das ist Gagaismus und nicht Journalismus. So etwas hat es meines Wissens noch nie gegeben. An eine ähnlich peinliche Aktion erinnere ich mich nicht."

"Das ist Gagaismus und nicht Journalismus. So etwas hat es meines Wissens noch nie gegeben. An eine ähnlich peinliche Aktion erinnere ich mich nicht."

Die beiden Chefredaktoren teilen damit die vorherrschende Meinung des Publikums, wie sie etwa in den zahlreichen Leser-Kommentaren auf tagesanzeiger.ch oder blick.ch zum Ausdruck kommt. (bn)