23.09.2021

SwissMediaForum

Podium zum Medienpaket wird zum Privatduell

Die Diskussionsrunde über das Mediengesetz hatte primär zwei Protagonisten: Bruno Hug, Verleger Portal24, und Susanne Lebrument, Verwaltungsratsdelegierte Somedia. Sie schenkten sich nichts und sorgten für ein hitziges Podium.
SwissMediaForum: Podium zum Medienpaket wird zum Privatduell
Machten sich gegenseitig Vorwürfe (v.l.): Susanne Lebrument (Verwaltungsratsdelegierte Somedia) und Bruno Hug (Verleger von Portal24 und Vorstand des Referendumskomitees). (Bilder: SMF/Sandra Blaser)
von Tim Frei

Eigentlich hätte Matthias Aebischer für das Pro-Lager am SwissMediaForum beim Podium über das Mediengesetz auftreten sollen. Doch er schaffte es gar nicht bis nach Luzern, weil er im Zug stecken blieb, der wegen technischer Probleme nicht weiterfahren konnte. So sprang am Donnerstagmorgen kurzfristig Jürg Weber ein. «Hätte ich das geahnt, hätte ich am Vorabend beim Dinner einen Gin Tonic weniger genommen», sagte der Senior Advisor von CH Media, womit er für den ersten Lacher im Publikum sorgte.

Doch schon war es vorbei mit der Heiterkeit: Es entwickelte sich eine zuweilen hitzige Diskussionsrunde zum Medienpaket, über das Anfang 2022 abgestimmt werden soll. Dabei fokussierte sich die Konfrontation auf ein privates Duell zwischen der Somedia-Verlegerin Susanne Lebrument und Bruno Hug, Vorstand des Referendumskomitees. Die weiteren Podiumsteilnehmer Jürg Weber und Leroy Bächtold (Präsident Team-Freiheit, Vorstand FDP Zürich) blieben so etwas aussen vor.

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Susanne 
Lebrument wies auf die Bedeutung der verstärkten Medienförderung für eine funktionierende Demokratie hin: «Mit dem jährlichen Zeitungsabopreis von rund 500 Franken können wir die Druck- und Zustellkosten nicht decken. Das kann nicht sein, zumal wir möglichst alle Bereiche Graubündens erreichen möchten, was aber immer schwieriger wird.»

Der Malervergleich von Bruno Hug

«Diese Argumentation gleicht einem Maler, der möchte, dass das Lager und die Fahrt dorthin vom Staat bezahlt wird», entgegnete Bruno Hug. Übersetzt meinte er damit: Es gehe nicht an, dass Medien in diesem Ausmass subventioniert würden. Denn solche Eingriffe seien marktverzerrend und würden die Unabhängigkeit der Medien infrage stellen. Zudem würde es der Verlagsbranche finanziell sehr gut gehen, so Hug weiter.

Jürg Weber griff Hugs «Malerbeispiel» auf: «Das ist nicht ganz vergleichbar. Die Medien übernehmen eine wichtige Funktion für den Service public und damit die Demokratie.» Insofern sei eine verstärkte Förderung sinnvoll. «Sie hilft uns als Übergangslösung in diesem Transformationsprozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist», so Weber.

Lebrument zu Hug: «Du warst bei der Innovation nie ein ‹Superman›»

Lebrument betonte, dass 97 Prozent der Somedia-Abonnenten über eine Zeitung informiert werden möchten. Eine Aussage, die Hug nicht teilen konnte: «Die Bürger abonnieren doch heute kaum noch Zeitungen.» Die Somedia-Verlegerin befand, dass dies bei der Somedia der Fall sei ­– und sie sagte zu Hug: «Kein Wunder, dass du keine finanzielle Unterstützung vom Staat willst, schreibt ihr doch mit Linth24 oft von unserer Linth-Zeitung ab.» Ein Vorwurf, den Hug selbstredend nicht gelten liess.

Der Portal24-Verleger gab zwar zu, dass es schwierig sei, Zeitungen bis ins Puschlav an den Bürger zu bringen. Doch er betonte sogleich, dass das Digitale neue Möglichkeiten und Innovationen biete. So verwies er darauf, dass er in kurzer Zeit 17 Gratisportale aufgezogen habe. Lebrument, die Hug seit über 20 Jahren kennt, war um einen Konter nicht verlegen: «Bei der Innovation warst du nie ein ‹Superman›.»

Zum Schluss der Diskussionsrunde bemängelte Hug, dass die Medien bisher kaum über das Referendum zum Mediengesetz berichtet hätten. Seine Vermutung: Viele Verleger hätten nicht mit dem Zustandekommen einer Abstimmung gerechnet. «Deshalb begrüssen wir es, dass sich der Verlegerverband nun stärker engagiert, was mehr Öffentlichkeit für das Thema schafft.» Weber teilte in diesem Punkt Hugs Argumentation: «Es ist wichtig, dass wir unsere Argumente ins Feld führen – dass der Service public zwar etwas kostet, doch zentral ist, um den Bürger in den demokratischen Prozess einzubinden.»



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Kommentare

  • Maja Ziegler, 24.09.2021 17:54 Uhr
    Bruno Hug ist aus meiner Sicht der intelligenteste, kreativste und tüchtigste Verleger der Schweiz. Er hat in der Region Oberer Zürichsee die meistgelesene Wochenzeitung aufgebaut und während Jahren mit grossem Erfolg geleitet. Seine unternehmerischen und journalistischen Qualitäten sind unerreicht, was die Neider völlig aus der Fassung gebracht hat. Mit seinem Portal 24 ist er im Steigflug, er expandiert und ist, obwohl im Pensionsalter, noch immer voller Vitalität und Inspiration.
  • Schnider Urs, 23.09.2021 15:33 Uhr
    Er schreibe in seinem Portal «oft» der «Linth-Zeitung» ab, ist noch ziemlich untertrieben. Es finden sich fast täglich Artikel der «Linth-Zeitung» auf Hugs Portal. Gekennzeichnet werden sie mit «Top-News» – der Quellennachweis folgt dann meist gut versteckt drei, vier Absätze weiter unten. Bruno Hug sieht sich als Robin Hood des Journalismus, druckt aber auf seinem Portal jede Medienmitteilung von den Behörden eins-zu-eins ab. Wer kann das ernst nehmen?
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