Im Zuge der Ermittlungen im Abhörskandal um die britische Boulevardzeitung "News of the World" ist am Donnerstag ein weiterer Verdächtiger festgenommen worden. Der 38-Jährige soll am illegalen Abhören von Handy-Mailboxen mitgewirkt haben, wie Scotland Yard mitteilte. Der Zeitung "The Guardian" zufolge handelt es sich um einen Journalisten des wegen des Skandals inzwischen eingestellten Boulevardblatts. Die Vorwürfe gingen auf die Zeit vor April 2009 zurück, als der Mann als Korrespondent nach Los Angeles geschickt worden sei.
Journalisten der "News of the World" sollen in Grossbritannien bis zu 4000 Menschen abgehört haben, darunter Politiker, Mitglieder der Königsfamilie und andere Prominente. An einige Opfer musste bereits Schadensersatz gezahlt werden. Der Skandal löste in Politik und Medien ein Erdbeben aus, was im Juli zur endgültigen Einstellung der Zeitung, dem Rücktritt von Vertrauten des Medienmoguls Rupert Murdoch, ranghohen Polizeibeamten und eines Mitarbeiters von Premierminister David Cameron führte. Bislang wurden zudem 13 Verdächtige festgenommen.
Derweil lief - ein Monat nach dem Rücktritt des Chefs der Londoner Polizeibehörde Scotland Yard, Paul Stephenson - die Bewerbungsfrist für den Posten abgelaufen. Vier Kandidaten bewerben sich laut Presseberichten um die Führung der grössten britischen Polizeibehörde. Diese steht nicht nur wegen ihrer engen Verbindung zur Gruppe des Milliardärs Murdoch derzeit in der Kritik, sondern auch wegen ihrer Reaktion auf die tagelangen Ausschreitungen vergangene Woche in London. (sda)

