04.01.2011

"Schaffhauser Nachrichten"

Premiere in der Schweizer Medienlandschaft

Online-Ausgabe ist als einzige in der Schweiz kostenpflichtig.

Die Online-Inhalte der "Schaffhauser Nachrichten" (shn.ch) sind neu ab Donnerstag kostenpflichtig. Das ist für die Schweizer Medienlandschaft eine Premiere. Zugriffsberichtigt sind nur noch Abonnenten der "Schaffhauser Nachrichten" oder Mitglieder des "Radio-Munot"-Clubs. Für Verleger und Chefredaktor Norbert Neininger ist dies der einzig mögliche Weg, um langfristig im Netz Gewinne zu erzielen. Die Internetstrategie der SRG betrachtet er zudem als "Frontalangriff" auf das Kerngeschäft der Verleger.

Norbert Neininger, Sie machen die "Schaffhauser Nachrichten" als erstes Zeitungsportal der Schweiz kostenpflichtig. Was erhoffen Sie sich dadurch?

Mit Sicherheit werden es unsere Abonnentinnen und Abonnenten zu schätzen wissen, dass in den Abogebühren auch der Zugang zu unserem Onlineportal haben werden, das wir nun nach und nach ausbauen. Ihnen, die für die Inhalte bezahlen, wollen wir einen Mehrwert bieten.

Medienexperten wie Kurt W. Zimmermann prophezeien auf Tagesanzeiger.ch/Newsnetz, dass dies nicht funktionieren kann, da Ihr Nutzerkreis in der Region Schaffhausen zu beschränkt sei. Teilen Sie diese Ansicht?

Ach, wissen Sie, Medienexperten sind sich selten einig und dort wo sie sich einig waren, lagen sie oft falsch. Sie haben beispielsweise das Internet zuerst unter- und dann überschätzt. Wir stellen einfach fest, dass es keinem regionalen Verleger gelungen ist, seine Online-Redaktionen über Werbung zu finanzieren, das Reichweitemodell ist keine Option.

Glauben Sie wirklich, dass aufgrund der kostenpflichtigen Seite mehr Leute die "Schaffhauser Nachrichten" abonnieren oder dem "Radio-Munot-Club" beitreten werden?

Wer unsere Inhalte haben will, sei es gedruckt oder elektronisch, wird dafür bezahlen. ­Das ist nicht aussergewöhnlich, sondern die Rückkehr zur Vernunft, wie ich sie im Verbund mit vielen Verlegern schon seit langem fordere. Und ja, wir glauben schon, dass es den einen oder anderen dazu bewegen wird, die Zeitung zu abonnieren oder dem "Radio-Munot-Club" beizutreten.

Werden Sie Ihr Internetangebot ausbauen?

Ja, das werden wir, zu den Zeitungsinhalten kommen im Laufe der Zeit auch Audio- und Videobeiträge und die Aktualisierung ist bereits jetzt durch den Einbezug der "Radio-Munot"-Kurznachrichten gegeben. Die stellen wir in gedruckter Form aufs Portal. Im übrigen bleibt ein Nachrichtenüberblick gratis und auch die Rubrikeninserate sind im Internet für alle nach wie vor offen. Erst die Vertiefung ist kostenpflichtig.

Wieviele Leute beschäftigen Sie bei "shn.ch"?

Wir fassen dort die Inhalte aus den "Schaffhauser Nachrichten", "Radio Munot" und dem "Schaffhauser Fernsehen" zusammen. Es arbeiten also Leute in den verschiedenen Redaktionen teilzeitlich für das Portal. Dort braucht es dann noch Produzenten - auch für die iPad- und iPhoneversionen.

Die "Schaffhauser Nachrichten" war die erste Schweizer Zeitung, die man online lesen konnte. Nun betreiben Sie die erste kostenpflichtige Seite. Was planen Sie als nächstes?

Wir sind ­wie alle anderen Verlage­ in einer interessanten Experimentierphase, die "Schaffhauser Nachrichten" werden ja heuer 150 Jahre alt und wir planen die Zukunft. So haben geben wir ab Neujahr die traditionsreiche "Klettgauer Zeitung" heraus, haben aber auch im Internet weitere Pläne. Das ist die Aufgabe: den Zeitungen Sorge tragen und sie auszubauen, zum anderen aber auch im Internet besser Fuss zu fassen und die Kosten einzuspielen.

Wie war die Reaktion Ihrer Verlegerkollegen?

Nun, viele bieten ja ihre E-Paper und auch die iPhone- und iPadapps bereits kostenpflichtig an. Gratis ist das beispielsweise bei der NZZ oder bei der AZ nur noch für Abonnenten. Ich gehe davon aus, dass es viele gemischte und noch mehr kostenpflichtige Portalmodelle geben wird. Wir können es uns einfach nicht mehr lange leisten, Inhalte zu verschenken.

Die SRG plant auch den Ausbau des Internetangebotes. Inwiefern ist dies eine Bedrohung der Onlineportale der Schweizer Verlagshäuser?

Das ist mehr als eine Bedrohung, es ist ein Frontalangriff auf unser Kerngeschäft. Die SRG kann und soll das Internet im programmbegleitenden Sinne und als weiteren Distributionskanal nutzen. Was aber jetzt geplant ist, geht darüber weit hinaus und gefährdet die Zukunftsentwicklung der Medienhäuser auf das dramatischste. Denn die liegt zu grossen Teilen im Internet. Und die SRG hat ein Problem dabei, ihre Inhalte werden ­auch im Internet ­über die Gebühren finanziert, welche wir alle zahlen. Sie ist uns also auch dort einen Schritt voraus, sollte aber diese Gebühren gesetzeskonform für Radio- und Fernsehen verwenden.

Ein Blick in die Zukunft: glauben Sie, dass Ihnen in unmittelbarer Zukunft andere Verlagshäuser bezüglich der Kostenpflicht folgen werden?

Ja.

Interview: Matthias Ackeret


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