14.02.2008

Priester unter Pädophilieverdacht

Presserat prüft Verhalten der Medien

Der Ankündigung folgen Taten.

Der Presserat hat vor etwas mehr als einer Woche eine Untersuchung zum Suizid eines Geistlichen angekündigt, der im Verdacht der Pädophilie stand. Nun wurde die Ankündigung in die Tat umgesetzt. Der Schweizer Presserat wird die Medien-Berichterstattung zu sexuellen Übergriffen pädophiler Priester definitiv unter die Lupe nehmen. Im Zentrum der Untersuchung stehen allfällige Verstösse gegen die Unschuldsvermutung und das Recht auf Vergessen.

Die Westschweizer Kammer sei beauftragt worden, Medienmaterial zusammenzutragen und eine Vordiskussion zum Thema zu führen, sagte Presseratssekretär Martin Künzi am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Der Presserat ist von sich aus aktiv geworden, ohne dass eine entsprechende Beschwerde vorliegt. Bis zur öffentlichen Stellungnahme des Presserats kann es laut Künzi mehrere Monate dauern.

Der Fall eines Neuenburger Priesters, der am 3. Februar Selbstmord begangen hatte, warf hohe Wellen geworfen. Der Priester hatte Anfang der 1980er-Jahre im Verdacht gestanden, pädophile Übergriffe begangen zu haben. In einem Abschiedsbrief nannte er die "mediale Jagd" als Grund für seinen Suizid. Die Familie des aus dem Leben geschiedenen Priesters machte das Recht auf Vergessen geltend. Der Fall liege mehr als 20 Jahre zurück. (sda)


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