"Focus Blind Date" ist das neue Sommer-Talk-Format auf DRS3. Das Prinzip: Zwei prominente Gäste treffen sich, ohne zuvor zu wissen, wem sie in der Sendung gegenüber sitzen werden, also so, wie das bei einem klassischen Blind Date der Fall ist. In der Sendung entfaltet sich in Folge dessen ein stündiges Gespräch mit ungewissem Ausgang und Ziel. Das Rencontre findet ohne Vermittlung eines Moderators statt, wodurch eine eigentümliche Intimität und für den Hörer zuweilen ungewohnte Stille entsteht. In dieser Sendung steht die Kommunikation zwischen zwei Personen im Zentrum, auf Firlefanz wird verzichtet. Einzige Rettungsanker bei einem vertrackten Date stellen wenige vorformulierte Fragen und pro Gast je ein Musikwunsch dar. DRS3 strahlt die Sondersendung noch dreimal aus, jeweils am Montag um 20.00 Uhr. Im Schweizer Fernsehen wird ab 20. August , jeweils am Montag um 19.00 Uhr, eine gekürzte Version der fünfteiligen Serie zu sehen sein. Bis jetzt waren die Blind Dates von Nadine Strittmatter und Oskar Freysinger (Vgl. persoenlich-Blog) sowie Peter Schneider und Katja Stauber zu hören. Persoenlich.com hat sich mit Pascal Scherer, publizistischer Leiter DRS3, über das spezielle Sendeformat unterhalten. Das Interview:
Herr Scherrer, was fasziniert Sie persönlich an der Sendung "Focus Blind Date"?
Unser Leben ist durchdesignt, wir sind vollkaskoversichert, nichts überlassen wir dem Zufall. In diesem Kontext ist "Focus Blind Date" für mich eine wohltuende Antithese. Wir geben einem Gespräch Raum, damit dieses organisch-üppig wachsen kann. Ohne Skript und Sicherheitsnetz. Als Konsument fasziniert mich der Reiz der unbekannten Richtung. Mir gefällt unser zugegebenermassen etwas abgeschmacktes Credo: Der Weg ist das Ziel.

Warum verzichten Sie denn nicht auf alle Sicherheitsnetze und machen eine Live-Sendung? Scheuen Sie das Eskalationspotenzial?
Die Gäste der klassischen Focus-Form tragen illustre Namen wie DJ Bobo, Marthe Keller, Hansjörg Wyss, Marco Streller, Eveline Widmer-Schlumpf, Iouri Podlatschikow und Wladimir Kaminer. Weil wir auch bei "Focus Blind Date" die spannendsten Gäste wollen, berücksichtigen wir deren Agenden. Obschon Focus eine der renommiertesten Talk-Sendungen der Schweiz ist, ist es selbst für uns logistisch und organisatorisch einfacher die Sendung aufzuzeichnen. Wir tun dies übrigens 1:1. Unser Produkt wird bis auf nachträglich eingesetzte Sendeerkennungs-Elemente nicht verändert.
Die ersten zwei Sendungen wurden ausgestrahlt. Welches Fazit ziehen Sie bis jetzt?
Erstens wird unser neues Sommer-Format "Focus Blind Date" extern und intern äusserst gut aufgenommen. Die veröffentlichte Meinung ist durchs Band positiv. Zweitens belohnen unsere Zuhörer Mut und Innovation mit Zuspruch. Und drittens: Wir sind erfreut über die Begeisterungsfähigkeit der angefragten Gäste. Die meisten waren sofort Feuer und Flamme.
Wie sind die beiden Dates (Nadine Strittmatter/Oskar Freysinger, Peter Schneider/Katja Stauber) beim Publikum einzeln angekommen?
Gut. Wir haben auf die Anlage der Sendung viele positive Rückmeldungen vor allem über unsere sozialen Medien. Das Duo Strittmatter und Freysinger gab viel zu reden.
Wie ist die Idee zur Sendung entstanden?
Die Focus-Macherin Franziska von Grünigen kannte ein ähnliches Format eines belgischen TV-Senders. Auch dort beruhte die Grundidee auf dem Blind-Date-Gedanken. Franziska hat die Idee gemeinsam mit ihrer TV-Frau Sara Leuthold adaptiert und als lockere Sommerserie umgesetzt.
Die optionalen Fragen lösten in der letzten Sendung nicht nur beim Publikum, sondern auch bei Peter Schneider und Katja Stauber Schulterzucken aus. Sehen Sie hier Verbesserungspotenzial?
Wir sind mit dem experimentellen Charakter der Versuchsanordnung bis anhin zufrieden. Die Fragen sind optional und dienen der Auflockerung des Gespräches.


Mit Date kann man auch Rendezvous, Flirt oder ein heimliches Treffen Verliebter in Verbindung bringen. Wollen Sie diese Konnotationen mit entsprechenden Paarungen noch mehr bedienen?
Für Flirts und heimliche Treffen Verliebter sind in der deutschsprachigen Medienlandschaft andere zuständig. Wir bei Focus wollen spannende Gäste mit guten Geschichten. Gäste, die etwas zu sagen und preiszugeben haben; und das intelligent, frech und niveauvoll. Denn genau das ist unser Anspruch. Wir setzen bewusst nicht bei jeder Sendung auf die Konstante "Gegensätze ziehen sich an", sondern versuchen immer wieder andere Konstellationen zu schaffen.
Die Sendung ist unvermittelt und unmoderiert, dadurch scheint tatsächlich mehr Intimität zu entstehen. Muss man sich im Radio überlegen, bei persönlichen Gesprächen die Moderation vermehrt wegzulassen?
Wir sprechen von zwei völlig unterschiedlichen Formen. Jedes hat für sich alleine besehen eine Daseinsberechtigung. Wir werden das eine tun ohne das andere zu lassen.
Können Sie schon weitere Date-Paarungen verraten?
Wir sollen unsere Hörer und Zuschauerinnen überraschen und hier gleichzeitig Paarungen verraten? Klassischer Zielkonflikt. Deshalb entscheiden wir uns fürs Erste.
Interview: Benedict Neff

