Im Januar zeigte SRF 1 als Dienstagskrimi die eigenproduzierte Serie "Der Bestatter". Die (vorerst) auf vier Folgen beschränkte Serie findet im Publikumsrat viel Zustimmung. Eine Ratsmehrheit beurteilt die Krimiserie als spannende Unterhaltung. Man schätzt, dass jede Folge eine eigenständige Geschichte erzählt und trotzdem ein roter Faden durch alle vier Sendungen hindurch erkennbar ist. Der Plot sei nachvollziehbar und die Ermittlungen knifflig. Betreffend Handlung, Dialoge und Spannung habe man ausserdem von Folge zu Folge eine Steigerung gespürt. Nur wenige im Rat wünschen sich mehr Spannung und Action.
Auch wenn die Handlung insgesamt als nachvollziehbar und authentisch beurteilt wird, erscheinen dem Rat einige Szenen und Figuren als überzeichnet und realitätsfremd. Zu übertrieben wirken beispielsweise die eingesperrte Jugendliche im Sarg oder die sexuelle Verbandelung mehrerer Mitglieder einer Familie miteinander.
Das Bestatter-Motiv biete einen unverkrampften Zugang zu einer den meisten Menschen unbekannten, interessanten Welt. Daraus ergeben sich ungeahnte Begegnungen und Geschichten sowie skurril-komische Situationen. Dabei sei die Würde der Toten nie verletzt worden. Der Tod, das Leben und das Sterben würden insgesamt auf eine offene und unbeschwerte Art thematisiert, hält der Publikumsrat fest.
Sprache verbesserungswürdig
Anklang im Rat findet, dass "Der Bestatter" aktuelle, gesellschaftspolitische Themen aufgreift und damit schweizerische Wirklichkeit abbildet. Mühe bekunden einige Ratsmitglieder aber mit dem eher düsteren, mit Klischees behafteten Menschenbild (z. B. gewalttätige Raser mit Balkan-Akzent, böse Schwiegermütter, rechtsradikale Gewalttäter). Zugutegehalten wird jedoch, dass diese Klischees immer wieder durchbrochen werden.
Die meisten Ratsmitglieder finden die Sprache zeitgemäss, allerdings seien die Dialoge zuweilen etwas holprig. Einige stören sich auch an den vielen Kraftausdrücken. Für die Ratsmehrheit ist Mundart ein Muss. Für Gremienmitglieder, die sich Fiktion in Standarddeutsch gewohnt sind, ist Mundart aber gewöhnungsbedürftig.
Der Rat schätzt, dass mit dem Schauplatz Aarau das Mittelland in den Mittelpunkt gerückt wird. Aarau steht damit stellvertretend für viele ähnliche Städte in der Schweiz. "Der Bestatter" kann in den Augen einer Ratsmehrheit gegenüber anderen Krimiserien bestehen. Dem Gremium gefällt, einmal eine durch und durch schweizerische Krimiserie zu sehen, welche die Schweiz in all ihren Farben und Kulturen abbildet. Gerne würde sich der Publikumsrat eine weitere Staffel ansehen. (pd)

