Der Krebsgang des Schweizer Fernsehen setzt sich fort. Im ersten Halbjahr 2012 lag der Marktanteil der Sender SF 1, SF 2 und SF Info bei 29,8 Prozent, berichtet die Zeitung "Der Sonntag". Erstmals fiel der Marktanteil 2011 unter 30 Prozent. Nie schalteten weniger Zuschauer die SF-Programme ein. Die Ursache schien schnell gefunden: Die grossen Sportereignisse wie eine Fussball-EM fehlten, hiess es damals. Doch auch die diesjährige Europameisterschaft konnte den Zuschauerschwund nicht stoppen.
Zwar stieg im Juni der Marktanteil erstmals seit drei Monaten wieder über die psychologisch wichtige Grenze auf 33,2 Prozent, doch im Vergleich zu letzten grossen Turnieren ist dies nur ein geringer Trost. Mit Beteiligung der Schweizer Nati erreichte das SF an der WM 2010 einen Marktanteil von 39,7 Prozent. Die EM im eigenen Land sorgte im Juni 2008 gar für Traumquoten mit einem Marktanteil von 44,1 Prozent das war der höchste Wert seit über zehn Jahren. Einen Teil des Rückgangs lässt sich dadurch erklären, dass viele Zuschauer ins Internet abgewandert sind. Dort können sie die Sendungen auch später anschauen. 2012 stieg die Zahl der monatlichen User des sf.tv-Portals um 20 Prozent auf 1,5 Millionen.
Ab 2013 sollen deshalb die Internetuser in den Marktanteil mit einfliessen. Doch damit allein ist es nicht getan. Das Digitalfernsehen mit über 150 Sendern gräbt dem SF weiterhin massiv Zuschauer ab. Das SF hofft, im 2. Halbjahr mit verschiedenen neuen Formaten einen Hit zu landen. Darunter sind Sendungen wie das Rankingformat "Gipfelstürmer", das Schweizer Pendant zur deutschen "ultimativen Chartshow" oder "Die 10 ".
Auf die Frage, ob SF die 30-Prozent-Marke bis Ende Jahr dank Olympia doch noch erreichen wird, meint Andrea Hemmi, Leiterin Unternehmenskommunikation: "Es ist noch nicht abzusehen, wie stark sich die rasant fortschreitenden Bewegungen im Markt 2012 noch auf das klassische, lineare TV-Angebot auswirken werden. Bilanz ziehen lässt sich erst Ende Jahr, zumal wir im zweiten Halbjahr verschiedene neue Formate lancieren." (Der Sonntag)

