22.11.2012

"Radio steht auf der Schwelle zum 4. Goldenen Zeitalter"

1,9 Millionen Schweizer hören bereits mehrmals pro Monat oder sogar täglich Webradio. Was bedeutet dies für die UKW-Sender? Welche Potenziale birgt dies für Radiowerbung? Und war DAB/DAB+ eine Totgeburt? persoenlich.com hat sich mit Stephen Pressinger, Managing Director Mediabox Radio, über die neuen Möglichkeiten für Sender, Kunden und Werber unterhalten. Das Interview:
"Radio steht auf der Schwelle zum 4. Goldenen Zeitalter"

Herr Pressinger, wie viele Personen in der Schweiz hören Webradio?

Glücklicherweise gibt es nun die halbjährlich erscheinende Netmetrix-Studie zur Streaming Video und Audio Nutzung in der Schweiz. Diese Zahlen helfen uns ungemein gegenüber Agenturen und Kunden, da wir damit sozusagen ‚offizielle‘ Werte belegen können. Mediabox kann zusätzlich noch auf die ziemlich präzisen Werte der Audio-Adserver-Technologie zurückgreifen sowie auf die Zahlen der Streaming Server unserer Partner Radios. Dadurch haben wir ein sehr gutes Bild über die Streaming-Audio-Nutzung in der Schweiz. Aber um die Frage zu beantworten, wollen wir es mal bei den Audio Streaming-Zahlen von NET-Metrix belassen, diese sind schon eindrücklich genug: Gemäss Streaming-Report von NET-Metrix hören 35.2% der Schweizer Onliner oder rund 1,9 Millionen Personen mehrmals pro Monat oder häufiger Webradio. Rund 1,6 Millionen Personen oder 29.4% der Schweizer Internetnutzer konsumieren mehrmals pro Monat oder häufiger Audio-Beiträge (bspw. Podcasts).

Wie hat sich die Userzahl in den letzten Jahren verändert?

Allgemein können wir von einem rasant exponentiellen Wachstum der Nutzung in den vergangenen 24 Monaten sprechen.

Wer hört Webradio?

Die Webradio oder Audio Streaming Nutzung ist keinesfalls mehr nur eine Sache der jungen Zielgruppe zwischen 14 – 29 Jahren. Übereinstimmend belegen Studien und Erhebungen aus entwickelten Märkten, dass diese Nutzung bereits über sämtliche Altersgruppen breit abgestützt ist. Frauen sind dabei leicht schwächer vertreten als Männer. Streaming-Nutzer sind allgemein gut ausgebildet, gut verdienend und meist in Haushalten ab 2 Personen lebend.

Was hat diese Verlagerung in Richtung Webradio ausgelöst?

Bei diesem hohen Grad der Nutzung von Webradio oder Digital-Audio-Inhalten kann man nicht mehr von einem Trend reden, sondern von einem Verhalten, einem veränderten irreversiblen Mediennutzungsverhalten. Die Audio-Streaming-Technologie an sich ist nicht neu, ich selbst war bereits Ende der 90er Jahre in Projekten engagiert, bei welchen Anlässe als Live Audio und/oder Video Stream im Internet übertragen wurden. Durch die mangelnde Bandbreite und den Entwicklungsstand der Devices war die User Experience gelinde gesagt ein wenig limitiert, das Bild der Video Streams kaum grösser als eine Visitenkarte. Es wurden hauptsächlich Early Adopters, Nerds und Geeks bedient. Doch diese Zeiten sind zum Glück seit einiger Zeit vorbei, flächendeckende Breitbandabdeckung stationär sowie auch mobile ermöglicht den Online-Usern eine einfache, verlässliche und qualitativ ansprechende Nutzung von Audio-Inhalten auf zig Millionen von webfähigen Devices wie Desktop PCs, Tablets, Smartphones, Smart TVs mit einer hervorragenden User Experience. Ja sogar in den Autos gehört die vollintegrierte Nutzung von digitalen Audioinhalten via Anbindung von Smartphones oder via On-Board-Unterhaltungssystemen mit integriertem Webradio in den Fahrzeugen der neuesten Generation aller Marken zum Standard als Sonderausstattung und stellt heute ein gewichtiges Verkaufsargument dar.

Welche neuen Werbeformen gibt es dank Webradios?

Generell bieten wir für Webradio die gleichen Werbemöglichkeiten an, wie es Mediaplaner vom terrestrischen Radio her gut kennen. Der Radiospot in eine Werbeinsel eingebettet, nennt man ‚midroll‘ oder ‚instream‘ Spot. Mit der ‚Pre-Roll‘ Werbeform verfügt Digital Audio Advertising über eine Killer-Applikation Werbeform, welche die bisherigen Radio Werbemöglichkeiten für die terrestrischen Radio ergänzt und die volle Aufmerksamkeit des Konsumenten garantiert. Zusätzlich können die Audiokampagnen mit synchronisierten Displays in den Stand-Alone Playern der Desktop Version oder in den Apps der mobilen Empfangsgeräten begleitet werden. Die Ad Response ist dabei hervorragend und weit überdurchschnittlich. Mediabox bietet die Webradios in Genre Pools wie Pop/Rock/Dance, Klassik/Jazz und Volksmusik/Schlager an. Dies in Kombination mit diversen Targetingmöglichkeiten und messbar.

Was gibt es nebst den Formaten für Unterschiede zur bisherigen traditionellen Radiowerbung zu beachten?

Vom Grundverständnis her handelt es sich bei der Werbeform um den klassischen Radiowerbespot auf die digitalen Kanäle übertragen. Im Gegensatz zur terrestrischen Radiowerbung bezahlt der Werbetreibende nur für die dem einzelnen Hörer ausgelieferte und gehörte Audio-Werbung, also für eine Impression. Die Währung ist analog zur allgemeinen Online-Werbung der TKP.

Sie nannten "Pre-Roll" eine Killer-Applikation-Werbeform. Warum ist diese neue Werbeform so speziell?

Bei der 'Audio Pre-Roll‘ erhält der Werbetreibende den Moment, bei welchem der Konsument den Online-Sender im Player startet. Während dem das Device die Daten aus dem abgerufenen Audio Stream im Hintergrund in den Zwischenspeicher, den Buffer, einliest, erklingt für den Hörer ein idealerweise sieben bis zehn Sekunden langer Audio-Werbespot bevor das effektive Radioprogramm erklingt. Dieser Spot bietet Werbetreibenden eine hervorragende Möglichkeit der direkten Ansprache.