Der Theaterautor Hans Gmür ist am Donnerstag 77-jährig gestorben. Bis zuletzt aktiv, wurde der Vielschreiber mit Komödien und kabarettistischen Radiosendungen bekannt. Insgesamt schrieb der Bündner über 50 Stücke und Musicals.
Gmür verstarb nach längerer schwerer Krankheit in einer Klinik in Nottwil LU, wie sein Freund, der früherere TV-Mann und Autor Max Rüeger, gegenüber der sda sagte. Gmür, der in der Zürcher Gemeinde Egg wohnte, wurde seit Anfang Jahr wegen eines schweren Rückenleidens behandelt. Komplikationen haben schliesslich zu seinem Tod geführt.
Gmür war Autor, Regisseur und Produzent von Komödien, Schwänken, Cabaret-Programmen und Musicals mit Titeln wie "Bibi Balù", "Lady Päng" oder "Herr Gottfried und Frau Stutz". Er besass einen Doktortitel in Germanistik, erworben mit einer Dissertation über Franz Grillparzers "Ahnfrau", ein trauriges Stück eines absolut humorlosen Autors.
Der am 1. Februar 1927 in Chur geborene und aufgewachsene Hans Gmür wechselte bereits als Student an der Uni Zürich von der E- zur U-Kultur und schrieb Texte für das Cabaret Fédéral. Von 1953 bis 1958 führte er Regie bei Werbe- und Dokumentarfilmen. 1960 entstand sein allererstes Stück "Schön ist die Jugend".
Radiogeschichte geschrieben
Nach dem Abstecher in die Werbung war Gmür bis 1964 zuständig für das Ressort "Unterhaltung" bei Radio Zürich. In den 60er und 70er Jahren versammelte sich jeweils am Samstagmittag die halbe Nation vor den Radiogeräten, um sich von den frechen Sketches des Bündners ins Wochenende geleiten zu lassen. Mit "Mini Meinig -- Dini Meinig", "Oder" und "Der Barbier von Seldwyla" schrieb Gmür Radio-Geschichte. Eine abgesetzte Sendung führte zum Krach, er verliess das Radio.
Gemeinsam mit Co-Autor Karl Suter und Komponist Hans Moeckel realisierte Gmür fortan Musicals am Zürcher Hechtplatz-Theater: "Bibi Balù", "Golden Girl" und "Z wie Züri" waren Grosserfolge. Nebenbei schrieb er seit 1964 "Unwahre Geschichten" für die Weltwoche. Den Abstecher als Chefredaktor der Frauenzeitschrift Annabelle von 1966 bezeichnete Gmür später als "seltsamsten" Posten seiner Karriere. 1972 schliesslich machte er sich selbstständig.
Gmür arbeitete mit Koryphäen wie Werner Wollenberger, Max Rüeger oder Charles Lewinsky zusammen. Zürcher Boulevard-Theater-Grössen wie Stephanie Glaser, Jörg Schneider, Ursula Schaeppi, Ines Torelli oder Paul Bühlmann spielten in seinen Stücken.
Über 50 Stücke geschrieben
Als Höhepunkt seiner Karriere bezeichnete Gmür die Goldene Rose von Montreux, die er 1969 für die Fernsehfassung der Revue "Holiday in Switzerland" erhielt. Oder "Helden Helden", ein Musical nach George Bernard Shaw, das er mit Udo Jürgens schrieb und das am "Theater an der Wien" uraufgeführt wurde. 1974 gründete er den jeweils von ihm moderierten Bernhard-Apéro im gleichnamigen Theater. Als Autor war er bis zuletzt aktiv, total schrieb er über 50 Stücke. Er könne nicht den ganzen Tag rumhocken, sagte der Nicht-Rentner kurz vor seinem 70. Geburtstag.

