30.08.2026

Reflekt

Recherche-Team will Mitgliederzahl verdoppeln

Das Berner Redaktionskollektiv lanciert am Montag eine Crowdfunding-Kampagne. Bis Ende September sollen 1000 neue zahlende Mitglieder dazukommen, weil wichtige Fördergelder auslaufen.
Reflekt: Recherche-Team will Mitgliederzahl verdoppeln
Ein Teil des Reflekt-Teams wirbt um zahlungswillige Unterstützerinnen und Unterstützer. Von links: Valentin Felber, Gülsha Adilji, Christian Zeier und Johanna Weidtmann . (Bild: zVG/Reflekt)

Das Redaktionskollektiv Reflekt will seine zahlende Mitgliederbasis von 1000 auf 2000 Personen verdoppeln. Dazu hat es eine Crowdfunding-Kampagne lanciert, die bis Ende September läuft. Unter dem Motto «Ärgern nützt nichts. Reflekt schon» stellt sie den gesellschaftlichen Nutzen von Investigativjournalismus ins Zentrum.

Anlass für die Mitglieder- und Geldsuche ist das Auslaufen wichtiger Fördergelder. Die mittelfristige Finanzierung sei deshalb gefährdet, teilt Reflekt mit.

Für die Kampagne setzt Reflekt auf die eigene Social-Media-Reichweite. Videos mit Host Gülsha Adilji erreichten auf Instagram regelmässig 50'000 bis 100'000 Personen, heisst es in der Mitteilung. Adilji gehört seit Juli 2025 fest zum Team (persoenlich.com berichtete).

In den Kampagnenvideos werben Mitglieder der Redaktion mit eigenen Recherchen. Anina Ritscher verweist auf einen Test bei 34 Polizeiposten, der zeigte, dass strafbare Hassrede im Internet oft nicht verfolgt wird. Mehrere Polizeikorps hätten ihre Mitarbeitenden aufgrund der Rechercheergebnisse geschult. Christian Zeier nennt seine Recherche zum mosambikanischen Schuldenskandal, bei dem die damalige Grossbank Credit Suisse ab 2013 geheime Kredite an staatliche Unternehmen vergab.

«Echte Unabhängigkeit schafft nur eine grosse Community», wird Co-Gründer und redaktioneller Leiter Zeier in der Mitteilung zitiert. «Wir wollen den Leuten zeigen, weshalb es sich lohnt, in diese Art von Journalismus zu investieren.»

Die Entwicklung des Videoformats wird vom Media Forward Fund unterstützt, der Reflekt Ende 2024 eine Förderung von 300'000 Euro zusprach. Das Geld war ausdrücklich dafür gedacht, die über Social Videos gewonnene Reichweite später mit einem Crowdfunding in zahlende Mitgliedschaften umzuwandeln.

Hinter dem 2019 gegründeten Rechercheteam steht ein gemeinnütziger Verein, der sich über Stiftungs- und Mitgliederbeiträge sowie den Verkauf von Recherche-Ergebnissen an interessierte Medien finanziert. (pd/nil)


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