Die Redaktion der "Berliner Zeitung" hat am Montag wie angekündigt Klage gegen ihren Arbeitgeber, den Berliner Verlag, eingereicht. Die Klage richtet sich gegen die Doppelfunktion von Josef Depenbrock, der zugleich Verlagsgeschäftsführer und Chefredaktor der "Berliner Zeitung" ist.
Die Vermischung von redaktioneller und kaufmännischer Tätigkeit widerspreche dem Redaktionsstatut, das Depenbrock selbst unterschrieben habe und gefährde überdies die journalistische Unabhängigkeit der Zeitung, findet die Redaktion. Sie erhält Unterstützung vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV) und der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU) von ver.di.
Der Redaktionsausschuss wie auch die Verbände sind der Ansicht, dass Renditeerwartungen von bis zu 20 Prozent, wie sie der britische Investor David Montgomery fordert, nicht mit Qualitätsjournalismus vereinbar seien. Dieses überzogene Gewinnstreben hungere die "Berliner Zeitung" aus. Die Redaktion hatte Montgomery, der zusammen mit einem Finanzkonsortium den Berliner Verlag vor zweieinhalb Jahren gekauft hatte, bereits vor einigen Wochen in einem offenen Brief gedroht, Klage einzureichen.
Sie wandte sich im Schreiben gegen "einen weiteren massiven Sparkurs", den Depenbrock angekündigt habe, "um damit die Umsatzrendite auf 18 bis 20 Prozent zu erhöhen". Gespräche der Redaktion mit Montgomery waren zuvor ergebnislos geblieben; Montgomery hatte an Depenbrock und dessen Doppelfunktion festgehalten.

