Gaudenz Looser, stellvertretender Chefredaktor von 20 Minuten, hat ein «Exklusivinterview» mit Popsängerin Kylie Minogue geführt. Er traf sie kurz vor ihrem Auftritt am Sonntag in Zürich zum Gespräch. Am Dienstag wurde das Interview publiziert. Schon die Einstiegsfrage sorgte für Kritik: «Frau Minogue, herzlich willkommen in der Schweiz! Wir haben uns überlegt, einer Stilikone wie Ihnen können wir keine Schokolade bringen. Stattdessen haben wir Ginny Litscher gefragt, ob sie Ihnen etwas verehren möchte – eine der derzeit angesagtesten Designerinnen der Schweiz.» Dabei wurde Ginny Litschers Website verlinkt.
Etwas gar viel PR, wird in der Journalistenbranche gemunkelt. Mehrere Zuschriften, teils auch anonyme, erreichten persoenlich.com. Ausserdem agiere der Interviewer eher als Fan denn als neutraler Journalist. Die Medienstelle von 20 Minuten nimmt zu den Vorwürfen Stellung. Laut Kommunikationsleiterin Eliane Loum-Gräser sei es exakt so, wie es im Interview beschrieben wurde: «Wir wollten nicht einfach Schokolade mitbringen. Da Ginny Litscher eine hervorragende Stilbotschafterin der Schweiz ist, haben wir sie gefragt, ob sie ein Mitbringsel stiften wolle. Es ist kein Geld geflossen. Der Link wurde integriert, damit die Leserschaft nachschauen kann, wer sie ist.»
Wein-Fokus ohne Management-Einfluss
Zusätzlich bemängelten Kritiker, dass dem Wein-Business von Kylie Minogue zu viel Raum eingeräumt wurde. Etwa ein Drittel des Interviews drehte sich um ihre Weinlinie, wobei weitere drei Links gesetzt wurden, teils direkt auf den Onlineshop. Auf die Frage von persoenlich.com, ob es Vorgaben für das Interview seitens Minogue oder dem Management gegeben habe, antwortet 20 Minuten: «Nein, es gab keine Vorgaben. Aber Kylie ist sehr erfolgreich im Wein-Business und die ganze Tour ist quasi dem Thema Wein gewidmet, inklusive Foto-Booth für die Fans.»
Zu den internen Richtlinien sagt Loum-Gräser: «In unseren Publizistischen Leitlinien ist die Trennung von bezahlter Werbung, Branded Content und redaktionellen Inhalten klar geregelt. Bei klassischer PR fliesst kein Geld, da liegt es im Ermessen der Redaktion, inwieweit Produkte namentlich erwähnt werden.»
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10.07.2025 13:13 Uhr

