Die Mitarbeiter der linksalternative "taz" wurden ausspioniert – mutmasslich von ihrem eigenen Redaktionskollegen. Dies schreibt "Welt online". An einem Rechner war ein sogenannter Keylogger gefunden worden. Dieses Gerät, das optisch einem USB-Stick ähnelt, zeichnet die Eingaben in die Tastatur auf. So können beispielsweise Passwörter entwendet werden.
Eine Analyse soll ergeben haben, dass die Daten mehrerer Mitarbeiter auf diese Weise ausgespäht wurden: Ressortleiter, Redakteure, ehemalige Redakteure, aber auch eine Volontärin und eine Praktikantin.
Hinter der illegalen Spionage soll angeblich der "taz"-Redakteur Sebastian Heiser stecken. Der Journalist sorgt gerade mit seinen Enthüllungen über die "Süddeutsche Zeitung" für Schlagzeilen: Er hatte Gespräche von "SZ"-Journalisten heimlich mitgeschnitten und will so belegen, dass die "SZ" regelmässig Informationen aus internen Bankunterlagen publiziert, an die sie durch Whistleblower kommt.
Dass er nun auch seine "taz"-Kollegen ausspioniert haben soll, bestreitet Heiser jedoch. Gemäss "Welt online" sei ihm auch noch nicht gekündigt worden. Allerdings sei Heiser Hausverbot für die Redaktion erteilt worden.
Heiser ist in der Szene der Investigativjournalisten kein Unbekannter. 2010 veröffentlichte er die Geheimverträge der Berliner Wasserbetriebe. Aufsehen erregte auch eine Undercover-Recherche: Unter falschem Namen und mit versteckter Kamera versuchte Heiser bei namhaften Zeitungen werbliche Inhalte unterzubringen, die nicht als Anzeigen gekennzeichnet waren, sondern in Verlagssonderbeilagen erschienen. (lcv)

