Das Hin und Her geht weiter: Dass die Rega der "Weltwoche" "gröbste Recherche-Fehler" und Unsorgfalt vorwirft, lässt man an der Förrlibuckstrasse nicht auf sich sitzen. In der aktuellen Ausgabe vom 29. August reagiert das Wochenblatt auf das Dokument der Rega mit dem Titel: "Wie viele Fehler darf ein einzelner Journalist eigentlich machen?". In dieser Medienmitteilung vom 15. August listete die Rega - oder die "Seilschaft aus den Bergen" (in Anlehung an die Artikel-Überschrift) - auf drei Seiten 32 Richtigstellungen auf (persoenlich.com berichtete).
Um seine Recherchen zu stützen, rechtfertigt sich "Weltwoche"-Journalist Christoph Landolt nun seinerseits: "Abgesehen von drei Falschinformationen, die wir in der letzten Ausgabe berichtigt haben, handelt es sich bei den Rega-Korrekturen um Spitzfindigkeiten, um Neuformulierungen des gleichen Sachverhalts", schreibt er. Auf die Hauptvorwürfe sei die Rega nicht eingegangen. Auch sei der von Landolt offengelegte Helikoptereinsatz, bei dem sich eine Ärztin schwer verletzte, von der Rega nicht bestritten worden. Diesen Vorfall habe die Rettungsflugwacht nicht dementiert und auch nicht einen zweiten Fall - eine Notlandung infolge Treibstoffmangels.
Die Rega mache "schmeichelhafte Vergleiche"
Landolt, dessen Recherchen über Saläre und Widersprüche bei der Rega von mehreren anderen Medien aufgegriffen wurden, wirft der Rega zudem Irreführung vor. Dies belegt er mit Vorfällen die dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) hätten gemeldet werden müssen, was jedoch nicht geschehen sei, wie das Bazl dem Journalisten bestätigte.
Landolt schreibt, dass es der Rega nicht zustehe, sich mit "einer überdurchschnittlichen Meldekultur" zu brüsten, wie sie dies in der Medienmitteilung als Antwort auf die "Weltwoche"-Kritik tat. Der Grund: Das Bazl wiederlegt die im Rega-Schreiben angeführten Zahlen, wonach "2009 ein Viertel aller beim Bazl gemeldeten Fälle von der Rega stammten, bei einem Flugstundenanteil von lediglich 11 Prozent". "Bei dieser Rechnung wurden die operativen und technischen Meldungen der Rega zusammengezählt und nur mit den operativen, nicht auch mit den technischen Meldungen der gesamten Branche verglichen", so das Bazl gegenüber der "Weltwoche".
Journalist Landolt ist dies der Beweis für Täuschung: "Die Rega schönt ihre Zahlen, in dem sie mathematisch falsche, für sie allerdings schmeichelhafte Vergleiche anstellt."
Korrigendum bereits vor einer Woche
In der "Weltwoche" vom 22. August entschuldigte sich die Redaktion mit einem Korrigendum auf der Leserbriefseite für die aus ihrer Sicht berechtigten der 32 Vorwürfe: "Wir haben fälschlicherweise geschrieben, dass der Jet-Chefpilot der Rega, Urs Nagel, Berner Oberländer sei. Das ist falsch, Nagel ist Zürcher. Helikopter-Chef Heinz Leibundgut war bei der Luftwaffe nicht Helikopterpilot. Und Rega-CEO Ernst Kohler ist nicht seit sechseinhalb Jahren, sondern bereits seit siebeneinhalb Jahren Chef." (eh)

