Die russische Journalistin und Regierungskritikerin Anna Politkowskaja ist in Moskau erschossen worden. Ihr Tod löste international Entsetzen aus. Die Polizei geht von einem Auftragsmord aus. Politkowskaja wurde am Samstag in ihrem Wohnhaus erschossen. Gemäss der Polizei wurde sie mit drei Schüssen niedergestreckt; eine vierte Kugel schoss ihr der Täter in den Kopf. Es seien eine Pistole und Geschosshülsen gefunden worden, hiess es weiter. Der Täter wurde von einer Kamera gefilmt, doch die Fahndung blieb ohne Erfolg.
Wegen der öffentlichen Resonanz zog Generalstaatsanwalt Juri Tschaika die Ermittlungen an sich. Wie die Nachrichtenagentur Interfax meldete, verfolgten die Ermittler unter anderem eine "tschetschenische Spur". Auch ein Racheakt des russischen Sicherheitsapparates werde nicht ausgeschlossen. Die Reporterin hatte sich mit Artikeln und Büchern über Verbrechen tschetschenischer Politiker und russischer Sicherheitskräfte weltweit einen Namen gemacht.
Politkowskaja hatte für die "Nowaja Gaseta" gearbeitet, einer der wenigen unabhängigen Zeitungen Russlands. Ein anderes Tatmotiv als ihre Texte könne er nicht erkennen, sagte der stellvertretende Chefredaktor der Zeitung, Witali Jaroschewski. Zuletzt habe sie an einer Geschichte über Folter in Tschetschenien gearbeitet. Der Artikel habe am Montag erscheinen sollen, sei aber noch nicht eingegangen. Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow, der an der Zeitung beteiligt ist, bezeichnete die Bluttat als "brutales Verbrechen".
Putin schweigt
Besonders harsch hatte Politkowskaja immer wieder Russlands Präsident Wladimir Putin kritisiert. Putin schwieg zu ihrem Tod. Andere kremltreue Politiker dagegen würdigten sie. Sie habe "ihre eigene Sicht auf die anti-terroristische Operation in Tschetschenien gehabt", sagte der kreml-treue tschetschenische Präsident Alu Alchanow. Doch sie habe sich "um das Schicksal des Landes, die Rechte der Bürger, jedes einzelnen Menschen gesorgt."
Der Tod der 48-jährigen Journalistin und Mutter zweier erwachsener Kinder löste international Betroffenheit aus. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sprach von "einem tragischen und zutiefst schockierenden Verlust" und forderte die Ergreifung der Täter. Ähnlich urteilten die USA und forderten Aufklärung.

