In der weissrussischen Hauptstadt Minsk hat am Mittwoch der Prozess gegen die bekannte regierungskritische Journalistin Irina Chalip begonnen. Neben ihren Eltern verfolgten auch mehrere US- und EU-Diplomaten den Prozessauftakt im Gerichtssaal. Die Ehefrau des oppositionellen Präsidentschaftskandidaten Andrej Sannikow wird beschuldigt, nach der umstrittenen Wahl im Dezember an einer Demonstration gegen die Regierung teilgenommen und "die öffentliche Ordnung gestört" zu haben. Im Fall einer Verurteilung drohen ihr bis zu drei Jahre Haft.
Chalip und Sannikow waren bei der Grossdemonstration der Opposition nach der Präsidentschaftswahl am 19. Dezember festgenommen worden. Nachdem die Journalistin zunächst in ein Gefängnis des Geheimdienstes KGB gebracht worden war, wurde sie später unter Hausarrest gestellt. Die Behörden drohten, ihren dreijährigen Sohn in ein Kinderheim zu geben. Dies wurde als Versuch gewertet, Druck auf Chalip auszuüben, über sich und andere Oppositionelle auszusagen. Auch gegen ihren Ehemann läuft ein Verfahren, ihm drohen 15 Jahre Haft. Neben Sannikow stehen weitere ehemalige oppositionelle Präsidentschaftskandidaten vor Gericht.
Chalip berichtete für die russische Zeitung "Nowaja Gaseta", an der unter anderen der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow Anteile hält. Gorbatschow setzte sich bei dem seit 16 Jahren autoritär regierenden weissrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko für die Freilassung der Journalistin ein. (sda)

