12.04.2005

Ringier mit Rekordergebnis

Nachdem die Medienhäuser Tamedia und NZZ in den vergangenen Wochen mit positiven Ergebnissen aufwarten konnten, zog Ringier am Dienstag mit einem Rekordergebnis nach: Der Milliardenkonzern blickt auf das erfolgreichste Jahr seiner 172-jährigen Geschichte zurück. Sowohl Gewinn als auch Umsatz stiegen im zweistelligen Bereich. Für Michael Ringier ein sicheres Indiz dafür, an den heutigen Strukturen des Familienunternehmens weiter festzuhalten.
Ringier mit Rekordergebnis

Verwaltungsratspräsident Michael Ringier zeigte sich an der Pressekonferenz sichtlich zufrieden mit dem Erreichten -- und vor allem selbstbewusst. Über 55 Millionen Gewinn hat sein Unternehmen erwirtschaftet, der Umsatz stieg um fast 13 Prozent auf 1.1 Milliarden Franken. Seine Familie waltet mittlerweile über 100 Titel rund um den Globus, das Unternehmen zählt über 6000 Mitarbeiter.

Ein Erfolg, den Ringier vor allem dem Festhalten an den Strukturen eines eigenständigen Familienunternehmen zuschreibt. Vor wenigen Monaten habe die Familie Ringier wieder die Gelegenheit gehabt, das Unternehmen zu sehr attraktiven Bedingungen in ein sehr viel grösseres Unternehmen einzubringen. Doch auch wenn die Aktionäre damit viel Geld gewonnen hätten, die Selbstbestimmung habe man höher gewertet als die finanziellen Interessen. "Wir glauben, dass die unternehmerische Freiheit etwas ganz besonderes ist und mehr Spass macht, als Geld zu verwalten," so Ringier.

Doch Ringier will den Verlag nicht um jeden Preis im Besitz behalten. "Wir haben uns nicht gegen einen Verkauf entschieden, um unser Erbe zu verteidigen", so Michael Ringier, "sondern weil sich die heutigen Umstände nach wie vor für eine Familienfirma eignen." Würden sich die Grundlagen der Aktivitäten verschlechtern, wäre man durchaus bereit, den Verlag aus der Verantwortung der Familie zu ziehen.

Wie gewinnbringend die Struktur des Familienunternehmens für Ringier ist, versuchte der Verwaltungsratspräsident am Engagement seines Konzerns in Zentral- und Osteuropa zu illustrieren. Nur ein Familienunternehmen habe die lange Berg- und Talfahrt, die das Ringier-Haus durchgemacht hat, überleben können. Eine gewöhnliche Firma hätte es dagegen wohl nicht einmal riskiert, schon kurz nach der Wende in Ländern wie Rumänien zu investieren.

Die Struktur des Familienunternehmens gibt für Ringier also den Rahmen vor, um sich beim Aufbau unternehmerischer Werte Zeit lassen und diese auch verteidigen zu können. Wie sein Konzern heute aussähe, wenn man 1990 nicht den risikoreichen Schritt in den neuen Osten gewagt hätte, traue er sich kaum vorzustellen: "Ich bin sicher, dass viele Mitarbeiter nicht bei uns wären, wenn es diesen Teil nicht gäbe", räumte er ein.

Struktur des Familienunternehmens gibt Rahmen vor

Heute ist Ringier einer der Big Player in Osteuropa, an der Vorwärtsstrategie wird festgehalten: Um satte 41 Prozent hat der Umsatz in den Ländern Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien und Serbien im vergangenen Jahr auf über 320 Millionen Franken zugenommen, wenn auch der grösste Teil davon nicht durch inneres Wachstum, sondern durch die Akquisitionen der marktführenden osteuropäischen Tageszeitungen von Gruner + Jahr in der Slowakei, Rumänien und Serbien zu Stande gekommen ist. Und heute macht sich Ringier Gedanken, auch in Kroatien in den Medienmarkt einzusteigen, die Ukraine will man nach dem Regierungswechsel überdies genauer unter die Lupe nehmen. Dennoch will Ringier sein Engagement auf einige Länder beschränken: «Wir wollen lieber ein Grosser in einem kleinen Markt sein als ein Kleiner in einem grossen Markt», betonte Ringier.

Anhaltender Chinaboom

Ähnlich zuversichtlich blickte Konzernleiter Martin Werfeli auf die Entwicklung seiner Geschäfte im Fernen Osten. 550 Mitarbeiter arbeiten alleine bei Ringier China, die Umsätze zeigen steil nach oben und haben erstmals die 50 Millionen Franken-Schwelle überschritten. Zurückzuführen ist das Wachstum von über zehn Prozent laut Werfeli auf den unvermindert anhaltenden Chinaboom und die Erholung der Marktnachfrage nach Druckleistungen in Hongkong. Alleine in der Inselstadt produziert Ringier 18 Titel. Interessant: Betty’s Kitchen, die chinesische Adaption von Betty Bossy, ist im Reich der Mitte die auflagenstärkste Kochzeitschrift.

SonntagsBlick büsst Marktanteile ein

Weniger Erfolge kann die Ringier-Führung in der Schweiz ausweisen. Im stagnierenden Schweizer Printmarkt erreichte der Konzern fünf Prozent Wachstum, diese entstanden jedoch nur dank den Zukäufen der Zeitschriften Bolero und Le Temps und TV4. Die Auflagenentwicklung der beiden Blick-Titel nannte Konzernleiter Martin Werfeli als „nicht zufrieden stellend“. Die negative Auflagenentwicklung habe unvermindert angehalten, auch wenn die Titel in Leserschaftsbefragungen gut abgeschnitten hätten. Ebenso rückläufig entwickeln sich weiterhin die Umsätze von Cash, Value und Cash online, auch wenn Werfeli glaubt, dass die Talsohle mittlerweile erreicht ist. Das Anziehen der Auflagenwerte lässt also weiterhin auf sich warten -- trotz der Anpassung des Produktkonzeptes von Cash.

Vor allem schmerzen muss die Konzernleitung die Entwicklung des Sonntagsblicks. Dieser verlor in einem schrumpfenden Markt überproportional und büsste Marktanteile ein. Mit der Neulancierung des SonntagsBlick-Magazins "Sie & Er", das mit vielen Fotografien und weicheren Reportagen erscheinen soll, will man ab kommendem Mai Leser zurückgewinnen. Bei den Schweizer Zeitschriften konnten die Umsätze gehalten werden. Einer leichten Steigerung des Umsatzes in der Westschweiz steht einer Niveausenkung in der Deutschschweiz gegenüber.

Inlandanteil unter zwei Drittel des Umsatzes gesunken

Mit einem Umsatzplus von 15 Prozent hat RingierTV seine Position als führender privater Fernsehproduzent der Schweiz ausbauen können. "Wir haben im TV-Bereich sehr erfolgreich gearbeitet", so Werfeli. Man profitiere hier vom starken Wachstum der Werbegelder im Fernsehen. Zudem sei die Zahl an Fernsehproduktionen für das Schweizer Fernsehen 2004 deutlich angewachsen.

Das Jahr 2004 bezeichnete Werfeli in der Schweiz als "schwierig und stabil". Für die Zukunft prognostiziert er keine Erholung: "Der Markt wird ganz sicher nicht einfacher." Der Schweizer Markt hat -- zumindest in Zahlen ausgedrückt -- für das Medienhaus an Bedeutung verloren: Der Inlandanteil ist von 73 Prozent auf unter zwei Drittel gesunken. Doch Ringier will noch in diesem Jahr mit Innovationen aufwarten, um auch in der Schweiz erfolgreich zu sein. Ob damit die Lancierung eines neuen Titels gemeint war, wollte man noch nicht verraten.

(Quelle: Ringier AG)


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