30.01.2008

Ringier Romandie fischt in fremden Gewässern

"L'Hebdo" ist das einzige verbliebene Schweizer Nachrichtenmagazin. Das ist aber der deutschschweizer Werbeindustrie kaum bewusst: Ringier Romandie stellte deshalb verschiedenen Zürcher Werbe- und Mediaagenturen riesige Magnete vor die Türe, um die anziehende Wirkung auf die Werbezielgruppe zu verdeutlichen. Was sich mit dem Verschwinden von "Facts" für den Ringier-Titel verändert hat, sagt Anzeigenleiter Patrick Zanello im Interview mit "persoenlich.com".
Ringier Romandie fischt in fremden Gewässern

Herr Zanello, geht es "L’Hebdo" schlecht?

Im Gegenteil, die Die Leserschafts-, Auflagen- und Verkaufszahlen, sowie die Anzeigenerlöse sind sehr befriedigend.

Warum fischen Sie dann in fremden Gewässern und werben in Zürich für ihr Westschweizer Nachrichtenmagazin um die Gunst der Mediaagenturen?

Selbstverständlich hätten wir gerne noch mehr Anzeigen aus der Deutschschweiz. Deshalb haben wir uns entschieden, "L'Hebdo" den Mediaplanern auf dem Platz Zürich mit einer originellen und witzigen Aktion etwas näher zu bringen.

Welche Botschaft soll bei den Mediaplanern hängen bleiben?

Unser primäres Ziel ist, den Werbeprofis in der Deutschschweiz zu zeigen, dass in der Romandie ein kaufkräftiges Publikum existiert. Immerhin wohnt die Hälfte der 300 Reichsten in der Westschweiz. Marken, die nicht ausreichend in der Romandie kommunizieren, verlieren einen grossen Teil ihres Kundenpotentials. Im Durchschnitt sind die Werbeinvestitionen pro Einwohner in der Westschweiz um 25 Prozent niedriger als in der Deutschschweiz, obwohl die Romands optimistischer sind, was die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes anbelangt.

"L’Hebdo" hat einen Relaunch angekündigt. Warum haben Sie mit der Aktion in Zürich nicht gewartet, bis das neue Heft da ist?

Die Redaktion arbeitet mit Hochdruck an einem Relaunch, welcher noch für das erste Semester vorgesehen ist. Dies ermöglicht es uns, nochmals in der Deutschschweiz über "L'Hebdo" zu sprechen. Es werden im laufenden Jahr noch einige Neuerungen dazu kommen, sodass wir immer wieder die Möglichkeit haben werden, in der Deutschschweiz etwas Spannendes zu kommunizieren.

Warum kommt es zum Relaunch? Hat das bestehende Konzept doch nicht so gut funktioniert?

Warum sollten wir einen Leserschafts- oder Anzeigenrückgang abwarten, um ein neues Konzept zu realisieren. Den Anstoss zum Relaunch gab Chefredaktor Alain Jeannet. Er fand, man könne sich nun in Ruhe für die Zukunft rüsten, da das Magazin gut positioniert sei. Seit drei Jahren arbeiten wir kontinuierlich auf dem Lesermarkt, um den Titel bei den Entscheidungsträgern sowie den Studenten noch besser zu positionieren.

In der Deutschschweiz ist das Konzept des Nachrichtenmagazins gescheitert. Funktioniert eine solche Zeitschrift in der Westschweiz besser?

"L'Hebdo" ist nun tatsächlich das einzige Schweizer Nachrichtenmagazin -- aber nicht der einzige Titel, der in dieser Form berichtet. In der Deutschschweiz trägt die Berichterstattung der Sonntagszeitungen Züge eines Nachrichtenmagazins. Die einzig existierende Sonntagszeitung in der Westschweiz hat diesen News-Anspruch jedoch nicht. Zudem kann man beobachten, dass sich die Verkaufszahlen der News-Magazine in Frankreich gleich positiv und rasant entwickeln wie die von “L'Hebdo“. Das zeigt, dass das Format des Nachrichtenmagazins im frankophonen Sprachraum sehr beliebt ist.

Wie hat sich der Anzeigen- und Lesermarkt für "L’Hebdo" nach dem Aus von "Facts" verändert?

Seit dem Verschwinden von "Facts" haben sich die Abo- sowie die Kioskverkäufe von "L'Hebdo" in der Deutschschweiz positiv entwickelt. Beim Anzeigengeschäft gab es keine merklichen Veränderungen, da sich die Werbebranche der unterschiedlichen Heftkonzepte bewusst war. Häufig inserieren Anzeigenkunden von "L'Hebdo" auch in der "SonntagsZeitung" oder "NZZ am Sonntag". Aus diesem Grund hatte die Einstellung von "Facts" keine negativen Auswirkungen auf das Anzeigengeschäft.

Gibt es bei Ringier nach dem Aus von "Facts" auch Überlegungen, eine deutsche Version von "L’Hebdo" herauszubringen?

Zuerst einmal fokussieren wir uns auf die Romandie. In einem weiteren Schritt und je nach Marktbedarf können allfällige, hinlängliche Optionen geprüft werden.

(Interview: Stefan Wyss)


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