Weiter nimmt Borer die Behauptung zurück, die Firma Ringier sei immer wieder zu Schadenersatzzahlungen in der Höhe von 10'000 bis 50'000 Euro verurteilt worden. Ringier zahlt Borer ein Schmerzensgeld, über dessen Höhe Stillschweigen vereinbart wurde. Mit dem Vergleich seien sämtliche angedrohten und hängigen juristischen Verfahren für beide Seiten hinfällig geworden, wie es weiter heisst. Verleger Michael Ringier hat sich heute im SonntagsBlick auch bei den Leserinnen und Lesern für die Berichterstattung entschuldigt. Die genaue Abklärung der Umstände, die zu dieser Berichterstattung geführt haben, werde fortgesetzt.
'Notwendige Rückbesinnung auf Grundwerte des Anstandes'
Michael Ringier bezeichnete es in seinem im SonntagsBlick veröffentlichten Brief als Fehler, sich auf die Aussagen der als Geliebten von Borer hingestellten Djamile Rowe zu verlassen. Als Verstoss gegen die journalistische Sorgfaltspflicht wertete Ringier auch die Auszahlung eines Honorars von 10'000 Euro an Rowe und die Beschaffung von Fotos Rowes unter einem Vorwand. "Eine Rückbesinnung auf Grundwerte des Anstandes und der Fairness ist notwendig. Sie hat mit den bereits getroffenen Massnahmen begonnen und wird im Hause Ringier konsequent weiterverfolgt", so der Verleger weiter.
Nur kurze Zeit, nachdem die Ringier-Blätter SonntagsBlick und Blick über die angebliche sexuelle Beziehung Borers mit Rowe berichteten, wurde Borer Anfang April von seinem Botschafterposten in Berlin abberufen. Eine spektakuläre Wende gab es am letzten Wochenende, als Djamile Rowe dementierte, je eine sexuelle Beziehung mit Borer gehabt zu haben. Ein paar Tage später trat Mathias Nolte, Chefredaktor des SonntagsBlick, per sofort zurück und die Berliner Korrespondentin Alexandra Würzbach bat um Entlassung aus ihrem Vertrag.
Kosten für Ringier sicher in siebenstelliger Höhe
Die nun in einem Vergleich beigelegte Affäre wird den Verlag ganz sicher einen siebenstelligen Betrag kosten. Dies sagte Ringier-Sprecher Fridolin Luchsinger am Sonntag auf Anfrage von AP, bezeichnete den in der SonntagsZeitung genannten Betrag in zweistelliger Millionenhöhe aber als sehr weit daneben. Luchsinger erinnerte daran, dass der stellvertretende Vorsitzende der Konzernleitung, Martin Werfeli, bereits früher gesagt habe, bisher seien in der Angelegenheit Kosten in siebenstelliger Höhe aufgelaufen.
Deiss hofft auf heilsame Wirkung für Journalismus in der Schweiz
Bundesrat Joseph Deiss hofft, dass die Affäre Borer- Ringier eine heilsame Wirkung auf den Journalismus in der Schweiz habe. Er betont zugleich, dass Thomas Borer nicht wegen der SonntagsBlick-Geschichte abberufen worden sei. "Was hier gemacht worden ist, war nicht korrekt", sagte Bundesrat Deiss zur SonntagsBlick-Geschichte im Interview mit der NZZ am Sonntag. Der Bundesratsentscheid zur Abberufung Borers erfolgte infolge "einer Reihe von Elementen", die aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht öffentlich genannt worden seien. "Nehmen Sie die Diskussion um Frau Borer auf dem Pferd in der Botschaft oder seinen Auftritt in 'Viktors Spätprogramm'", sagte der Aussenminister. Auch im Fall SonntagsBlick habe Borer unprofessionell reagiert.

