23.05.2011

DRS Virus

Robin Rehmann hemmungslos

Warum der Moderator täglich intime VideoBlogs dreht.

Robin Rehmann moderiert auf DRS Virus und auf SF, ist Sänger der Band "krank" und leidenschaftlicher Selbstfilmer. Seit Anfang Jahr realisiert der 30-Jährige jeden Tag einen VideoBlog über Belanglosigkeiten aus seinem Leben. Dabei begrüsst er die Zuschauer mit "Guten Morgen ihr Affen!" und rülpst auch mal nach einer durchzechten Nacht in die Kamera. Igitt, abnormal, denken die einen. Viele, ja sehr viele aber sind total Fan vom hemmungslosen VideoBlogger. Warum er sich täglich ausstellt, erklärt Robin Rehmann im Interview mit "persoenlich.com":

Robin Rehmann, seit Anfang Jahr produzieren Sie täglich einen VideoBlog. Was zeigen Sie darin?

Alltägliche Dinge, die jeder von uns erlebt, die man aber nicht jedem zeigen will. Zum Beispiel, wie man einen Pickel ausdrückt, wie man nach einer durchzechten Nacht nach Hause kommt oder wie man mit den Grosseltern Weihnachten feiert.

Für wen realisieren Sie diese VideoBlogs und wo sind Sie zu sehen?

In erster Linie produziere ich diese für mich selbst. Es macht mir sehr viel Spass, Videos zu drehen und zu schneiden. Ich habe eine Facebook-Seite dafür eingerichtet: www.facebook.com/robinrehmannvlog. Natürlich kann man die Videos auch direkt über meinen Kanal bei YouTube anschauen: www.youtoube.com/radikalabnormal oder unter: kult.ch.

Wie kamen Sie auf die Idee?

Unter dem Titel "MyStupidLife" habe ich vor drei Jahren das Experiment begonnen, mich selber zu filmen. Nach einem Jahr erreichte ich über diverse Plattformen eine halbe Million Views. Ich frage mich bis heute, wer das alles sehen wollte?! Nach Ende des Projekts war ich wie auf Entzug und habe heimlich begonnen VideoBlogs (Vlogs) von amerikanischen Usern zu schauen. Nach kurzer Zeit stand fest: es geht weiter.

Gibt es auch Tabuthemen, die in Ihren VideoBlogs nicht vorkommen?

Ich bin immer offen und liberal.

Wie unterscheiden sich Ihre VideoBlogs von Blogs?

Ein Videoblog basiert auf Video. Ein Blog auf Bild und Text. Morgens, wenn ich meinen Vlog beginne, habe ich normalerweise keine Ahnung, wie dieser enden wird. Das bedeutet, ich gehe absolut konzeptfrei in einen Beitrag. Die Geschichten sind oft davon geprägt, was um mich herum passiert. So entstehen Situationskomik aber auch absurde Momente. Ein Blog ist im Vergleich strukturierter.

Sind Sie ein narzistischer Exhibitonist oder was bringen Ihnen die VideoBlogs?

Nach meiner Definition ist ein Exhibitionist einer, der sich nur mit einem Mantel bedeckt im Park aufhält um jungen Frauen abzupassen. Davon bin ich weit entfernt. Plattformen wie YouTube, Facebook und Twitter bieten Leuten mit grossem kreativen Output eine spannende Möglichkeit, ihre Ideen zu teilen. Ich tue dies sehr intensiv - und dafür brauche ich auch keinen Mantel. Zudem ist es eine Möglichkeit, mit seinen Leuten in Kontakt zu bleiben, auch wenn es nicht möglich ist sich täglich "real" zu sehen.

Welches Feedback bekommen Sie?

Das Angenehme für mich als Macher ist, dass sich mein Publikum bewusst dafür entscheidet, ein Video von mir anzusehen. Das heisst, dass meine Zuschauer wissen, was sie bekommen und keine Moralapostel sind. Daher ist das Grundinteresse immer vorhanden und die Feedbacks fallen auch meist positiv aus.

Und negative Stimmen?

Negative Kritik kommt mehrheitlich von Leuten, die mit dem digitalen Graben zu kämpfen haben. Gegner von Facebook, Twitter und Google-Streetview können meinen Vlog nur schwer nachvollziehen. Meist haben diese Menschen auch prinzipiell ein Problem damit, sich fotografieren zu lassen. Ich kann verstehen, dass diese rasante Entwicklung im Web Angst machen kann. Mir macht sie Spass.

Sie sind Moderator bei DRS Virus, Sänger von "krank" und moderieren "Musiclab" beim Schweizer Fernsehen. Wann haben Sie noch Zeit, VideoBlogs zu drehen?

Ganz einfach, ich habe die Kamera immer an meinem Gürtel fest geschnallt und dieser sitzt locker…

Was sagen Ihre Arbeitgeber dazu?

Meine Vorgesetzten wissen über den Blog Bescheid. Die Produktion tangiert meine Arbeit nicht.

Interview: Christine Schnyder


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