Seine Wahl kam ebenso überraschend wie der frühe Abgang. Der Publizist Roger de Weck, ehemaliger Chefredaktor von Tages-Anzeiger und Zeit sowie früherer Generaldirektor der SRG, amtete ab November 2022 kurzzeitig als Verwaltungsrat des Onlinemagazins Republik. Im März trat er überraschend von seiner Position zurück. De Weck selbst hat sich bisher nicht zu den Gründen für seinen Rücktritt geäussert. Ein Newsletter der Republik nannte Ende März «unterschiedliche Auffassungen im Verwaltungsrat über die Strategie, den Stellenwert der Publizistik, die Bewältigung der anspruchsvollen Lage und die Rolle des Verwaltungsrats».
In einem Interview mit der NZZ vom Montag zur Weltlage und der Rolle der Schweiz spricht Roger de Weck am Rande auch über die Republik. Zum einen lobt er die «Erfolgsgeschichte» und vergleicht die Republik mit dem renommierten Magazin New Yorker, zum anderen nimmt de Weck erstmals öffentlich Stellung zu seinem kurzzeitigen Engagement im Verwaltungsrat und nennt die Gründe für seinen Abgang.
«Ich trat für konsequentes Sparen ein»
«In jeder Hinsicht war ich uneinig mit dem Verwaltungsrat», sagt de Weck der NZZ. Diese Uneinigkeit betraf zum einen die Strategie und zum anderen die Rolle des Gremiums an sich. «Ich misstraute einer Strategie des Wachstums fast um jeden Preis und trat für konsequentes Sparen ein», lässt sich de Weck zitieren. «Ich setzte stärker auf die Publizistik als auf Aktionen, um die Leserschaft zu binden.» Den Verwaltungsrat sah er als strategisches Gremium, «anders als in jenen Start-ups, in denen die Arbeitsteilung mit der Geschäftsführung diffus ist.» Ohne es explizit zu benennen, dürfte er damit die Republik meinen.
Das Onlinemagazin sorgte in letzter Zeit verschiedentlich für Schlagzeilen. Zum einen gaben nach de Wecks Rücktritt aus dem Verwaltungsrat auch die beiden anderen verbleibenden Mitglieder ihren Abgang bekannt, sobald eine Nachfolge gefunden ist. Zum anderen muss das Unternehmen rund eine Million Franken einsparen beim Budget für das kommende Geschäftsjahr. Als Folge des Sparkurses entlässt die Republik acht Mitarbeitende in Redaktion, IT und HR. (nil)

