Der Gründer von Radio 24, Roger Schawinski, hat keine Freude am Verkauf von Radio 24 von Tamedia an den Aargauer Verleger Peter Wanner. Schawinski selber hat für Radio 24 mit geboten. Mit dem Kauf baue Wanner seine marktbeherrschende Stellung im Aargau weiter aus, sagte Schawinski am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Dadurch setze Wanner die Konzession für Radio Argovia aufs Spiel, meinte Schawinski. Der Radiopionier trat 2008 gegen Wanners Radio Argovia mit dem Radio AG an, ging jedoch leer aus. Waren seine Ambitionen unrealistisch? Persoenlich.com hat nachgefragt:

Herr Schawinski, Sie wollten Radio 24 kaufen, nun sind Sie leer ausgegangen. Wie geht es Ihnen?
Ich bin enttäuscht, dass dies ein Deal zwischen zwei Verlagen geworden ist. Damit ist die Chance verpasst worden, etwas gegen die dramatische Medienkonzentration zu tun. Offenbar ging es dabei um mehr als Radio 24. Bekannt gegeben wurde zusätzlich der Verkauf des "Langentaler Tagblatts" von Wanner an Tamedia (persoenlich.com berichtete). Ich vermute, dass es noch weitere solche Nebendeals gibt.
Welche weiteren Nebendeals vermuten Sie?
Das weiss ich nicht - und möchte auch nicht spekulieren.
Was haben Sie denn vom Rückkauf von Radio 24 erhofft, nachdem Sie es ja vor zehn Jahren selber verkauft hatten?
Der Verkauf erfolgt damals vor allem, weil ich die Zukunft des Privatfernsehens als negativ beurteilt hatte womit ich in der Rückschau absolut richtig lag. TeleZüri und Tele 24 konnte ich nur zusammen mit Radio 24 an die Tamedia verkaufen. Die Tamedia hat aber während zehn Jahren bewiesen, dass sie weder ein Konzept noch eine Affinität für Radio und Fernsehen hat, wie sie selber erklärt hat. Das hat mich enttäuscht. Ich wollte nun dafür sorgen, dass Radio 24 wieder dorthin gelangt, wo es hingehört, nämlich zu der Person, die den Sender gegründet und während über zwanzig Jahren erfolgreich geleitet hat und die viel Know-how und persönliches Engagement einbringen könnte.
Sie haben damals 90 Millionen für Tele Züri und Radio 24 erhalten. Haben Sie tatsächlich gedacht, dass Tamedia Ihnen den Sender zu einem günstigeren Preis wieder zurück verkauft?
Die Zeiten und die Zahlen haben sich völlig geändert. Damals wies Radio 24 einen Gewinn von 8 Millionen im Jahr aus, heute nur einen Bruchteil davon. Unter dem Strich und den geänderten Bedingungen hat die Tamedia mit dem doppelten Verkauf an Peter Wanner mehr kassiert als ich damals, weil Peter Wanner unter Ausblendung aller ökonomischen Vernunft massiv überzahlt hat.
Was glauben Sie: Warum hat Peter Wanner so viel bezahlt? Man munkelt es seien über 30 Millionen Franken.
Dieser Betrag entspricht auch meinen Informationen. Am Schluss waren es ein neues Radiostudio muss auch noch gebaut werden - gegen 60 Millionen für TeleZüri und Radio 24. Dies ist rund dreimal mehr, als etwa ein gewiefter Investor wie Giorgio Behr nach detaillierter Due Diligence, geboten hatte. Für einen rational denkenden Menschen ist dies alles nicht nachvollziehbar. Offenbar musste Peter Wanner das ganz allein durchziehen, sogar gegen seinen eigenen Verwaltungsrat. Deshalb tritt auch nicht die AZ Media in diesen Deals auf, sondern Peter Wanners Familienfirma BT Holding, bei der keine vergleichbare Haftung der Verwaltungsräte wie bei einer Publikumsgesellschaft besteht.
Was erhofft sich wohl Peter Wanner?
Offenbar will Peter Wanner seinen Kindern neben den Zeitungen, die sein Vater gegründet hat, etwas eigenes, nämlich ein grösseres Radio- und TV-Portefeuille hinterlassen, das er vor allem zusammengekauft hat koste es, was es wolle. Erstaunlich ist dabei, dass er im Gegensatz zur Presse überhaupt keine Affinität zu Radio und Fernsehen hat und sich in diesem Bereich nie auch nur ansatzmässig betätigt hat.
Sie hoffen auf einen Bakom-Entscheid nach Ihren Gunsten (vgl. unten). Ist das nicht widersprüchlich, da Sie ja immer gegen das öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen und die Bundesbehörden ankämpften?
Ich stelle nur fest, dass sich das Bundesverwaltungsgericht gegen das Bakom und für meine Position entschieden hat, weil das Bakom bei der Vergabe der Radiokonzessionen das wichtige Kriterium der Marktbeherrschung nicht berücksichtigt hat. Deshalb haben Radio Argovia und Radio Grischa bis heute keine gültige Konzession. Zurzeit eruiert die Weko, ob in diesen Gebieten eine marktbeherrschende Stellung des dominierenden Verlags vorliegt. Peter Wanner hat sich bisher vor allem mit dem Argument dagegen verteidigt, dass die Zürcher Sender stark in den Aargau einstrahlen, an erster Stelle der Marktführer Radio 24. Dieses Argument wird für ihn nun zum Bumerang. Er hat also die Position seines Radio Argovias wegen seines unheimlichen Drangs nach weiterer Radio- und TV-Macht weiter beschädigt. Die Weko wird ihren Bericht wohl in den nächsten Wochen vorlegen, und die jüngste Entwicklung bei Radio 24 und Tele Züri mit Sicherheit berücksichtigen.
Sie betreiben ja in Zürich Radio 1. Was wird sich nun durch die neue Konstellation ändern?
Ich war wegen dieses unsäglich langen Prozesses während vielen Monaten blockiert. Nun konzentriere ich mich auf die neue Situation: die konsequente Weiterentwicklung von Radio 1 und den verstärkten Kampf für mehr Medienvielfalt in den medienmässig monopolartig beherrschten Kantonen Aargau und Graubünden.
Gegen die Konzessionsvergabe des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) reichte Roger Schawinski Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein. Dieses entschied im Dezember 2009 für ihn und dass das UVEK nochmals über die Bücher müsse. Zu prüfen ist einzig die Frage, ob die Konzessionsempfänger die Meinungs- und Angebotsfreiheit gefährden.
Nach dem Kauf von Radio 24 erhofft sich Schawinski einen positiven Entscheid (vgl. Interview oben). Wanner habe stets damit argumentiert, dass er keine marktbeherrschende Stellung habe, weil die Zürcher Radios und vor allem Marktleader Radio 24 eine starke Konkurrenz sein würden. Mit dem geplanten Kauf richte sich nun Wanners früheres Argument gegen ihn, so Schawinski. (sda/eh/ma)

