31.12.2025

NZZ

Roman Bucheli wird pensioniert

Der Literaturkritiker war 25 Jahre bei der Neuen Zürcher Zeitung angestellt und wurde dabei zur Institution.
NZZ: Roman Bucheli wird pensioniert
«Ich tat es, so gut ich konnte, und übte fast täglich»: Roman Bucheli über seine Arbeit als Litaraturkritiker. (Bild: zVg)

«Er liebt die Bücher, auch die schlechten», so der Titel der Würdigung von NZZ-Feuilleton-Chef Rico Bandle über den nun pensionierten Literaturkritiker Roman Bucheli, der während den vergangenen drei Jahrzehnten massgeblich das Feuilleton der NZZ mitprägte. Bucheli sei immer ein «ein Garant für Qualität und Beständigkeit gewesen», schreibt Bandle, was nicht nur die Leserschaft zu schätzen wusste, auch in der Literaturszene sei er als «deren kritischer und unbestechlicher Begleiter» zu einem wichtigen Faktor geworden.
 
War für vier Feuilleton-Chefs tätig
 
Bucheli wurde 1960 Emmenbrücke geboren und studierte ab 1980 an der Universität Freiburg Germanistik und Philosophie, 1994 promovierte er an der Universität Zürich mit einer Dissertation über den Schweizer Lyriker Alexander Xaver Gwerder. Anschliessend war er Redaktor beim Deutschen Literatur-Lexikon, daneben liebäugelte er kurzfristig sogar mit einer Bankenkarriere, seit 1999 arbeitete er aber festangestellt für das NZZ-Feuilleton, wo er sich bald einen Namen machte. 2020 wurde Bucheli für sein literaturkritisches Schaffen mit dem Schweizer Kulturpreis Premio Masciadri gewürdigt, 2021 bekam er den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik.  Bucheli hat in seiner Karriere über 2000 Artikel für die NZZ verfasst und in dieser Zeit vier verschiedene Ressortleiter erlebt, so Bandle selbst, aber auch den heutigen Auslandchef Benedict Neff, René Scheu und Martin Meyer. Bucheli legte sein Augenmerk vielfach auch auf Schweizer Autoren, die nicht gerade im Scheinwerferlicht standen. Aufgefallen ist er immer wieder durch pointiere Kritiken, so zuletzt über einen Verriss von Florian Illies neuestem Buch über Thomas Mann «Wenn die Sonne untergeht», das in der Spiegel-Bestsellerliste den ersten Platz belegt. Zitat Bucheli: «Er hat die Gabe, noch schlechter zu schreiben, als er denkt.»
 
Kritisches Schreiben
 
«Weil mir der Beruf des Literaturkritikers dies zu erfordern schien, schrieb ich kritisch, was immer das heissen mochte», schreibt Bucheli in seinem Abschiedsartikel. Gelernt habe er das Kritisieren von Literatur nicht. «Ich tat es, so gut ich konnte, und übte fast täglich», so Bucheli. Eingeleitet wird der Artikel mit einem Zitat aus dem Satiremagazin «Titanic», das einmal über den Neu-Pensionierten schrieb: «Roman Bucheli ist der beste Roman der Schweiz.» (ma/sda)


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