02.03.2012

SRF

"Rundschau" gibt Fehler zu

Bericht über Lobbying hätte SRG erwähnen müssen.

"Wir sind durchaus lernfähig. Aufgrund der Redaktionen auf diesen Beitrag, würden wir ein nächstes Mal bei der Kundenaufzählung nicht nur Google, UBS oder Aldi nennen, sondern auch die SRG", sagt Jacqueline Schwerzmann, Redaktionsleiterin der "Rundschau" gegenüber persoenlich.com. Offenbar war der "Rundschau"-Redaktion nicht von Anfang an genug bewusst, auf was für ein Minenfeld sie sich mit dem Beitrag über Lobbying im Bundeshaus begab.

Die SF-Hintergrundsendung hatte mitte Februar die Verflechtungen zwischen Politik, Verbänden und Medienleuten beleuchtet. Dieser TV-Beitrag wird auch jetzt noch - rund 10 Tage nach der Ausstrahlung am TV - heftig diskutiert. Die "Rundschau" hatte die Mechanismen des Lobbying im Bundeshaus aufgezeigt und es dabei unterlassen, zu erwähnen, dass die im Beitrag vorgestellte PR-Firma Furrer.Hugi&Partner ebenfalls für die SRG lobbyiert. Dieser Umstand löst in der Branche viel Kopfschütteln aus, sodass etwa die "Weltwoche" und die "NZZ" den Fernsehbericht am Donnerstag nochmals kritisch thematisierten.

Off-Stimme hätte SRG-Mandat erwähnen müssen

Im Wesentlichen wird beanstandet, dass bei einer Aufzählung von Lorenz Furrers Kundenstamm (Google, Aldi, UBS, McDonald's) nicht erwähnt wurde, dass auch die SRG zu seinen Kunden gehört. Ausserdem fragt man sich: Warum lässt die "Rundschau" just jener PR-Agentur so viel Raum, die auch Lobbying für die SRG betreibt? "Wir liessen Furrer.Hugi&Partner zu Wort kommen, weil dies eine der im Bundeshaus am meisten vertretenen PR-Agenturen ist und Lorenz Furrer auch bereit war, vor der Kamera über seine Arbeit Auskunft zu geben“, erklärt "Rundschau"-Redaktionsleiterin Schwerzmann den Entscheid. Einige Tage später und aus etwas Distanz sieht sie dies jedoch kritischer: "Offenbar hat es nicht genügt, über einen Kameraschwenk Transparenz herzustellen. Im Nachhinein hätten wir explizit auch die SRG als eine Kundin von Furrer.Hugi&Partner nennen sollen.“

Daneben glaubt Schwerzmann aber nicht, dass Furrer.Hugi&Partner durch die mehrmalige Erwähnung Vorteile erwachsen: "Ich habe nicht den Eindruck, dass die Rundschau mit diesem Beitrag PR macht für diese Agentur, denn es kamen ja auch kritische Aspekte zu ihrer Arbeit zur Sprache. Zudem traten auch andere Lobbyisten in dem Beitrag auf."

SRG setzt auf Furrer.Hugi&Partner für Politmonitoring

Dass die SRG aktiv Lobbying betreibt, ist bekannt. Das Mandat der Agentur Furrer.Hugi&Partner umfasse Politmonitoring (z.B. Sessionsradar) sowie Beratung und konzeptionelle Unterstützung in der politischen Kommunikation, sagt SRG-Sprecher Daniel Steiner gegenüber persoenlich.com. Dabei gehe es vor allem darum, ein zeitgemässes Verständnis des Service Public fördern, Werte und Leistungen der SRG aufzeigen, erklären und legitimieren, den fundamentalen technologischen Wandel in der Branche begleiten wie auch die Revision RTVG.

Doch wenn es um finanzielle Detailfragen geht, gibt sich die SRG weniger transparent. Auf Anfrage von persoenlich.com will Steiner keine Auskuft über die jährlichen Ausgaben für Lobbying machen. Warum will die SRG diese Kosten nicht offenlegen? "Es gab bislang in der SRG keine strukturierte und systematische Öffentlichkeitsarbeit, welche zentral von der Unternehmenskommunikation gesteuert wurde", so Steiners Begründung für die Zurückhaltung.

Geschäftsbericht 2011 soll Lobbyingkosten ausweisen

Er stellt aber eine Verbesserung in Aussicht: Im Geschäftsbericht 2011 will die SRG laut Steiner die Lobbying-Ausgaben dezidiert offenlegen. Bis zur Publikation im Mai müsse man sich jedoch noch gedulden. Bekannt ist zudem, dass Generaldirektor Roger de Weck selber oft in der Wandelhalle anzutreffen ist. Er hat dank BDP-Nationalrat Urs Gasche Zutritt. Zudem besitzt auch SRG-Verwaltungsratspräsident Raymond Loretan einen Bundeshaus-Badge -- vom Genfer FDP-Nationalrat Christian Lüscher.

Zu erwähnen ist zudem, dass auf der anderen Seite auch die Verleger ihren Einfluss im Bundeshaus nicht dem Zufall überlassen. Sie sind durch Urs Meyer, dem Geschäftsführer des Verbands Schweizer Medien, in der Wandelhalle präsent. Anders als die SRG haben die Verleger keine fixe Agentur für Politmonitoring der bestimmte Interessensvertretung eingesetzt. "Keine einzige PR-Agentur verfügt über ein überdreimonatiges Mandat. Wir entscheiden situativ und setzen je nach Thema andere Spezialisten fürs Lobbying ein", erklärt Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbandes Schweizer Medien, auf Anfrage von persoenlich.com. Bei den beauftragten Lobbyisten könne es sich etwa um Wissenschaftler, ein Hochschulinstitut, einzelne Politiker oder um eine Agentur handeln, so Lebrument. Die jährlichen Ausgaben dafür lägen zwischen 100'000 und 130'000 Franken.

Text: Edith Hollenstein


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