03.04.2013

SRF

Rundschau reagiert auf die Kritik

"Wir sehen einer allfälligen Klage gelassen entgegen", sagt Redaktionsleiter Mario Poletti.
SRF: Rundschau reagiert auf die Kritik

Nachdem die Rundschau gleich von zwei Seiten kritisiert wurde, will die Redaktion nun reagieren. Wie Redaktionsleiter Mario Poletti auf Anfrage von persoenlich.com erklärt, werde das Bistum Chur bald Post aus dem Leutschenbach empfangen. "Herr Gracia wird von uns eine schriftliche Antwort erhalten", so Poletti. Giuseppe Gracia, Mediensprecher des Bistums Chur, hatte am Dienstag in einem Interview mit persoenlich.com massive Kritik an der Rundschau-Berichterstattung geübt. Im Beitrag über Bischof Vitus Huonder seien Tatsachen unterschlagen worden. Momentan bereitet das Bistum eine Beschwerde an den Presserat vor.

Als erste Antwort auf die Kritik aus Chur hatte SRF-Sprecher Marco Meroni eine Stellungnahme abgegeben. "Die Rundschau weist den Vorwurf der Demagogie und Zuschauermanipulation dezidiert zurück. Der Bericht setzt sich mit der zur Zeit angespannten Situation im Bistum Chur auseinander, und selbstverständlich kommen in der Reportage Bischofs-Anhänger und auch Bischofs-Kritiker zu Wort. Den Fokus hat die Rundschau auf Bischof Huonder gelegt, weil dieser gegenüber den Pfarrei-Initianten am wenigsten Gesprächsbereitschaft signalisiert hat", so Meroni. Im Bericht werde klar festgehalten, dass Bischof Huonder wegen "seines Umgangs mit der Pfarrei-Initiative" nach Rom gebeten worden sei.

Kein Verständnis für Kritik aus dem Hause NZZ

Bereits vor Ostern entbrannte eine heftige Debatte um einen anderen Beitrag in derselben Rundschau-Sendung vom Mittwoch, 27. März. Der breitbeachtete und vielzitierte Bericht thematisierte Christoph Mörgelis Wirken als Doktorvater. Im Anschluss an dessen Ausstrahlung lobten die einen die Recherchequalitäten der Redaktion und den kämpferischen Interview-Stil von Moderator Sandro Brotz. Andere mahnten zur Besonnenheit. Sie kritisierten Stil und Machart des Beitrags. Mängel ortete vor allem die "Neue Zürcher Zeitung", wobei deren Medienjournalist Rainer Stadler seine Kritik besonders deutlich äusserte. In einem Blogbeitrag vom Donnerstag, 28. März schrieb er von "nur leicht kaschierter Häme", mit welcher die Rundschau-Macher SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli plötzlich als "Dr. Mörgeli" titulierten. Bei SRF stösst Stadlers Kritik auf wenig Verständnis. "Wir können die Ausführungen des NZZ-Bloggers nicht nachvollziehen", so Poletti an die Adresse Rainer Stadlers. "Christoph Mörgeli hat sich für die Stelle des Rektors der Universität Zürich beworben und immer wieder betont, wie viele Doktorarbeiten er neben all seinen anderen Pensen betreute. Da war es naheliegend, seine von ihm betreuten Doktorarbeiten einmal qualitativ genauer unter die Lupe zu nehmen", erklärt der Rundschau-Chef die Beweggründe für die Recherche. "Die Fragestellung des Beitrags war also primär nicht, durch welche Leistungen Ärzte zu ihrem Doktortitel kommen." Dass es Unterschiede im Umfang und Inhalt von Dissertationen bei Ärzten und anderen Berufsgattungen gäbe, sei in der Sendung deklariert worden.

Sendung mit besonders grosser Beachtung

Schon länger hat keine Rundschau-Sendung mehr für so viel Wirbel gesorgt, wie diejenige von vergangener Woche. Die Sendung wurde nach ihrer Ausstrahlung auf dem SRF-Videoportal über 40'000 Mal angeklickt und Zuschauerreaktionen erhielten nicht nur die Rundschau selber, sondern auch andere Medien, welche das Thema "Doktorarbeiten bei Christoph Mörgeli" aufgriffen, wie ein Streifzug durch Leserbriefspalten und Kommentarforen zeigt.

 

Mario Poletti ist seit 1. März Redaktionsleiter des Politmagazins "Rundschau". (Bild: SRF)

 

Die beiden Themen "Mörgeli" und "Bischof Huonder" sind für die Rundschau-Redaktion jedoch noch nicht ganz abgehakt. So formuliert das Bistum Chur eine Beschwerde beim Presserat und Christoph Mörgeli will gegen SRF klagen. "Es steht fest, dass ich gegen das Schweizer Fernsehen rechtliche Schritte einleiten werde", sagte der SVP-Nationalrat der "NZZ am Sonntag". Weiter halte er sich auch die Option offen, die Berichterstattung des Fernsehens vor den Ombudsmann der SRG und den Presserat zu bringen. Die Rundschau bringen solche Drohungen nicht aus der Ruhe. "Wir nehmen sachliche Kritik immer ernst und sehen einer allfälligen Beschwerde oder Klage gelassen entgegen", erklärt Poletti.

Text: Edith Hollenstein, Bild: Screenshot Rundschau


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