06.06.2012

Springer

Schickt Chefredaktor ins Silicon Valley

Auszeit für Schweizer Verlagschefs kein Thema.

Eine ungewöhnliche Exkursion: Drei Kadermitarbeiter von Axel Springer verlegen ab September ihren Arbeitsplatz vorübergehend ins Silicon Valley: "Bild"-Chef Kai Diekmann, Vermarktungschef Peter Würtenberger und idealo-Geschäftsführer Martin Sinner werden sich im Zentrum der IT- und Digital-Branche der USA bei Unternehmen und Universitäten umschauen. Wie am Mittwoch bekannt wurde, sollen sie dort neue unternehmerische Ideen für digitales Wachstum entwickeln (vgl. persoenlich.com).

Ist dieses ungewöhnliche Vorgehen auch bei Schweizer Verlagshäusern ein Thema? Nicht wirklich, wie eine kurze Umfrage von persoenlich.com bei den grossen Verlagshäusern zeigt. "Eine gute Idee der Springer-Kollegen!", sagt Ringier-Mediensprecher Edi Estermann. Doch ein ähnliches Vorgehen wie bei Springer sei bei Ringier nicht geplant. Ringier halte aber ebenfalls Ausschau nach neuen Ideen und Entwicklungen im Technologiebereich. Estermann erklärt auf Anfrage von persoenlich.com: "Ringier-Kaderleute pflegen traditionellerweise einen regen Austausch mit Universitäten und Hochschulen im In- und Ausland; von der Uni Zürich über die HSG St. Gallen bis zur Harvard Business School. Vor allem stehen Chefredaktoren wie auch Bereichs- und Abteilungsleiter in Kontakt mit Kaderleuten nationaler und internationaler Unternehmungen." So würden regelmässig Ideen aufgegriffen, geprüft, verworfen oder weiterverfolgt und umgesetzt werden.

"Innovationsmanagement kann unseres Erachtens aber auch ohne Übersiedlung ins Silicon Valley funktionieren", so Estermann. Ähnlich vage bleibt Tamedia, denn auch an der Werdstrasse will man sich nicht zu fest in die Karte blicken lassen. "Unsere Führungskräfte besuchen regelmässig Kongresse und sind im Austausch mit anderen Medienhäusern und Universitäten", sagt Kommunikationschef Christoph Zimmer. Es gebe aber keine Tradition, diese Besuche öffentlich zu machen.

Und wie ist die Situation bei der NZZ? Würde die alte Tante ihren Chefredaktor oder ihren Digitalchef für einen ausgedehnten Aufenthalt ins Silicon Valley schicken? "Nun, wer wünschte sich nicht, ein halbes Jahr ins Silicon Valley zu gehen?", so Kommunikationsleiterin Bettina Schibli augenzwinkernd. Doch sie fügt an: "Konkret haben wir darüber noch nie diskutiert." Die NZZ-Kaderleute und Digital-Experten würden regelmässig an internationalen Konferenzen in Europa und den USA teilnehmen, etwa an der SXSW. Zudem beobachte man die Entwicklungen via die zahlreichen elektronischen Kanäle aufmerksam, erklärt Schibli.

In der Diskussion um diese ungewöhnliche Expedition der drei Springer-Spitzenleute stellt sich die Frage, inwiefern und mit welchen Konsequenzen ein Chefredaktor oder Verlagschef über Monate einfach von seinen Mitarbeitenden fernbleiben kann. Laut spiegel.de wird die "Bild"-Zeitung unterdessen von Kai Diekmanns Stellvertretern geleitet, also von Alfred Draxler und Marion Horn. Es gebe einen klaren Schnitt, Chefredaktor Diekmann und seine Reisegefährten würden sich ganz auf ihre Exkursion konzentrieren. Alle drei wollen nach ihrem Ausflug in die USA auf ihre alten Posten zurückkehren. (kress.de/spiegel.de/eh)


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