Der Media Markt hat kürzlich sein zehnjähriges Bestehen gefeiert und anlässlich des Jubiläums die Werbetrommel tüchtig gerührt. Etwas gar tüchtig, wie die Kontroverse um die Ummantelungsinserate in verschiedenen Zeitungen zeigt, die das Medienmagazin Klartext in seiner aktuellen Ausgabe jetzt nochmals aufgenommen hat:
Media-Markt-Rot leuchteten u.a. die beiden Tessiner Tagesblätter Giornale del Popolo und La Regione und zwar sowohl auf der Titel- als auch der letzten Seite. Auch Gratisblätter wie der Basler Stab oder 20 Minuten waren von Werbung ummantelt. Selbst der Blick konnte einem lukrativen Angebot nicht widerstehen und hat die eine Hälfte der Titelseite dem Media Markt fürs Inserieren überlassen. Nicht für Frontseitenwerbung war hingegen der Tages-Anzeiger zu haben, der auch in Zukunft nichts mit Ummantelung zu tun haben will, wie Tamedia-Verlagsleiterin Maili Wolf gegenüber Klartext bekräftigte.
Die Chefredaktion der Tessiner La Regione grenzte sich gleich selber im eigenen Blatt von der neuen Werbeform ab und der Publizist Silvano Toppi spricht von einer "Enteignung", bei der eine Zeitung ihr Gesicht verliere. Der Tessiner Journalistenverband will überdies mit einer Beschwerde an den Presserat gelangen, um einen Grundsatzentscheid fällen zu lassen. In der Ummantelungspraxis wird eine unzulässige Einmischung von Inserenten in redaktionelle Belange gesehen. Die Frontseite sei traditionell eine redaktionelle Seite, die die Identität einer Zeitung spiegele.
Peter Studer, Präsident des Presserates, will einer Stellungnahme des Rates nicht vorgreifen, hält die Entwicklung jedoch für problematisch: "Wenn es so anfängt, wo hört es dann auf?", fragt er suggestiv im Klartext. Die Verleger hingegen gewichten die ökonomische Sichtweise. "Ich muss am Ende des Monats die Löhne bezahlen, deshalb schäme ich mich für diese Werbung nicht", lässt sich Giacomo Salvioni, Verleger von La Regione und Präsident des Tessiner Verlegerverbands, zitieren.

