27.05.2013

SwissMediaForum

Selbstaufgabe oder Endstation PR?

Désiréé Pomper und Verena Vonarburg sprechen über die Generation-Praktikum.
SwissMediaForum: Selbstaufgabe oder Endstation PR?

Im Rahmen des dritten Swiss Media Forums kamen erstmals auch junge Journalisten zu Wort. Unter dem Titel "Generation Praktikum – die Medienbranche und der Nachwuchs" diskutierten Désirée Pomper, Nachrichtenchefin "20 Minuten" sowie Verena Vonarburg, Senior Consultant Furrer.Hugi&Partner, mit Luzia Tschirky von Junge Journalisten Schweiz. Die beiden Talkgäste waren am Anfang ihrer Karrieren beide in der Medienbranche als Praktikantinnen tätig und erzählten von ihren Erfahrungen aus dieser Zeit.

Als Auftakt des Panels wurde ein Film gezeigt, in welchem Praktikantinnen und Praktikanten und Ehemalige über Unterforderung, Einkommen und Überarbeitung während des Praktikums sprachen. Zu hören waren Statements wie: "Mir wurde nicht genau gesagt, was ich tun soll. Oft habe ich nur recherchiert und mich selbst weitergebildet". Oder: "Ohne Stipendium würde ich finanziell nicht auskommen." Die Rede war ebenfalls von der Schwierigkeit nach einem Praktikum in der Medienbranche als Journalist eine Festanstellung zu finden und irgendwann in der PR-Branche zu landen, was für sie Endstation heisse. Vonarburg zeigte sich sogleich über den negativen Duktus dieser Aussage erstaunt.

Grosser Einsatz ist gefordert
Sowohl sie, als auch die junge Nachrichtenchefin von "20 Minuten“, Désirée Pomper, betonten die Leidenschaft und den starken Willen, den es brauche, um im Journalismus langfristig Fuss zu fassen. Insbesondere Pomper wies auf die "Generation Yoga" hin, die nicht mehr bereit sei, im Job hundert Prozent zu geben. "Damit hat man schon verloren, denn es gibt immer jemand, der es mehr möchte und damit nur gewinnen kann." Pomper sprach sich für ein starkes persönliches Engagement aus, welches nötig sei, um "es zu schaffen". Sie selbst sieht sich noch am Beginn ihrer Laufbahn als Journalistin: "Es gibt noch viele Dinge, die ich in der Redaktion erleben will. Ich bin noch nicht auf der PR-Schiene." Trotzdem sei sie auch schon vor dem "Zusammenklappen" gewesen. Von totaler Selbstaufgabe spricht Pomper nicht, meint aber, dass ein grosser Teil des Lebens dem Beruf zu widmen sei. "Das tut doch auch nicht weh!", sagte sie. Insbesondere der Einstieg in das Metier erfordere einen hohen Einsatz. Als versteckter Ratschlag meinte Vonarburg: "Die Hauptgewinne von Jungjournalisten von heute sind das Knüpfen von Kontakten und die Generierung von Aufmerksamkeit auf sich – dies etwa durch Twitter oder andere Social-Media-Kanäle."

Gute Mischung der Generationen in den Redaktionen
Auch für die ehemalige Bundeshauskorrespondentin Vonarburg war das Praktikum kein Zuckerschlecken. Sie habe zwar eine sehr gute Betreuung erfahren, es sei aber gleichzeitig eine harte Schule gewesen. Grenzen müssten dort gesetzt werden, wo es nach "Ausbeutung" aussehe. "Natürlich tendieren gewisse Medienhäuser teilweise dazu, junge Journalisten auszubeuten. Das muss man gar nicht abstreiten."

In Punkto Betreuung sind sich die beiden Medienschaffenden einig, dass heute eine gute Mischung aus erfahrenen Redaktoren und lernenden Jungjournalisten in den Redaktionen fehle. Pomper sagt sogar, dass eine ältere Person in ihrem Nachrichtenressort eine Bereicherung wäre.

In der anschliessenden Diskussion, bei der sich auch das Publikum zu Wort melden konnte, wies ein Gast darauf hin, dass "das Feuer, die Leidenschaft" für den gewählten Beruf das A und O bei guten Journalisten sei. (lf)


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