05.04.2005

Ueli Haldimann

"Sie sollten nicht einfach glauben, was im Blick steht"

SF DRS ist diese Woche unter Beschuss geraten. Der Blick hat die Berichterstattung zum Tod des Papstes als Trauerspiel tituliert. Aber auch dem täglichen People-Magazin "glanz & gloria" gaben Publikum und Medien nur mässige Noten. Im "persoenlich.com"-Interview verteidigt SF DRS-Chefredaktor Ueli Haldimann seinen Sender und bezeichnet im Gegenzug die TV-Kritik des Boulevard-Blattes ein Trauerspiel. Das Interview:

Herr Haldimann, SF DRS hat am vergangenen Samstag mit rund viertelstündiger Verspätung über den Tod des Papstes berichtet. Was ist falsch gelaufen?

Lieber Matthias Ackeret, ich schätze Sie als Journalist ausserordentlich, aber Sie sollten nicht einfach glauben,was im Blick steht. Tatsache ist: Die erste Urgent-Meldung kam während der Spätausgabe der Tagesschau. Wir haben sofort geschaltet und den Tod des Papstes etwa 30 Sekunden später gemeldet. Wahrscheinlich waren wir einer der ersten Fernsehsender weltweit, die den Tod des Pontifex auf dem Sender hatten. Wir haben sofort ein zweites Mal nach Rom geschaltet, von wo aus Beatrice Müller die breaking news bestätigen konnte. Später in der Sendung haben wir noch zwei mal nach Rom geschaltet und konnten -- schon in der Tagesschau -- mit Vatikan-Expertin Klara Obermüller eine erste Einordnung machen. Klara Obermüller stand, dank weiser Planung, den ganzen Abend bereit. Sie wartete, bereits geschminkt, auf den Ernstfall und konnte deshalb sofort in Aktion treten. Unmittelbar nach der Tagesschau setzten wir eine Sondersendung (Tageschau Spezial) an. Aus verschiedenen, vor allem technischen Gründen dauerte es vom Ende der Spätausgabe bis zum Beginn der Sondersendung 5 Minuten. Das ist eindeutig zu lang, und ich habe eine Abklärung in Auftrag gegeben, wie wir das in Zukunft verkürzen können. Auch war es falsch, während zwei Minuten Swiss View zu zeigen. Das wirkte wirklich provinziell. Wir hätten besser Live-Bilder vom Petersplatz und eine Laufschrift gesendet.

Aber nochmals: Weshalb hat man dies nicht geplant, das Ereignis war doch voraussehbar?

Wir haben Vorkehrungen getroffen, ich habe sie oben geschildert. Stephan Klapproth als Moderator und Klara Obermüller als Gast der Sondersendung standen den ganzen Abend bereit. Wir hatten ein halbes Dutzend Einspieler sendefertig, die dann auch zum Einsatz kamen. Innert dreiviertel Stunden war Weihbischof Henrici im Studio, usw. Dieses ganze Dispositiv war seit mehreren Tagen parat.

Der Blick hat in seiner gestrigen Sendekritik von einem "Trauerspiel" gesprochen. Können Sie dies nachvollziehen?

Überhaupt nicht. Ein Trauerspiel ist, dass Blick einen solchen Kommentar schreibt, ohne sich um die Fakten zu kümmern. Von uns mit dem genauen Ablauf konfrontiert, hat der Blick in einem Schreiben an uns heute Dienstag den Kommentar vom Montag bedauert und auch erklärt, leider könne man Kommentare nicht korrigieren.

Zieht man jetzt Lehren aus den Vorkommnissen?

Ja, unter anderem die, dass wir lernen müssen, schneller von einer Sendung zu einer andern zu wechseln. Und ich freue mich auf das neue Erscheinungbild der Tagesschau im Dezember. Die Mängel des jetztigen Dekors sind schier unerträglich.

Seit einer Woche ist das Boulevardmagazin "glanz & gloria" auf dem Sender. Wie sieht Ihre erste Bilanz aus?

Die Sendung ist insgesamt gut gestartet. Sie muss aber noch besser werden. Wir wären zu wenig ehrgeizig, wenn wir nach einer Woche schon zufrieden werden. Eine echte Entdeckung ist Nadja Zimmermann, die Moderatorin.

Bis jetzt ist die Sendung bei den Zuschauern und vor allem auch den Medien nicht auf besonders gute Kritiken gestossen. Was ziehen Sie für Schlüsse daraus?

Ich sehe das nicht so negativ. Das Echo in der Branche und die Zuschauerzahlen sind gut.

Ist man mit der Sendung nicht zu früh gestartet, einzelne Mitarbeiter sind erst einige Wochen im Haus?

Ich denke nicht. Aber es stimmt, wir hatten einen ehrgeizigen Fahrplan.

Ist das Potential für eine tägliche Boulevardsendung in der Schweiz überhaupt vorhanden?

Ja, das haben die ersten 10 Tage klar gezeigt: Es gibt sehr viel Stoff für eine tägliche People-Sendung. Das Spektrum ist breit und geht vom Tourneestart der U2 bis zum 80. Geburtstag von Cés Keiser.

Welche Vorgaben muss die Sendung erfüllen?

Wir pflegen nicht, interne Vorgaben zu veröffentlichen.

Was sind die nächsten Projekte?

Das nächste Grossprojekt ist die Erneuerung von Tagesschau und 10vor10. Beide sollen mit einem frischeren Erscheinungsbild, einer moderneren Dramaturgie und mehr Tempo am 5. Dezember starten.


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