08.01.2021

Vaterschaftsurlaub

So familien(un)freundlich sind die Medien

Seit Anfang Jahr gilt der zweiwöchige Vaterschaftsurlaub. Medienhäuser gewährten schon zuvor Papizeit. Stocken sie entsprechend auf, oder kommt das Geld dafür nun einfach vom Staat? Bei einigen schon, wie eine persoenlich.com-Umfrage zeigt.
Vaterschaftsurlaub: So familien(un)freundlich sind die Medien
Einige der von persoenlich.com angefragten Medienunternehmen gewähren seit 1. Januar 2021 die gesetzlich vorgeschriebenen zwei Wochen Vaterschaftsurlaub, andere gehen weiter. (Bild: Pixabay, Logos: zVg.)
von Christian Beck

Seit dem 1. Januar 2021 können Väter von neugeborenen Kindern einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub beziehen – also zehn freie Arbeitstage (oder 14 Taggelder). Der Urlaub kann am Stück oder tageweise bezogen werden. Finanziert wird dieser über die Erwerbsersatzordnung (EO). Dafür wird der EO-Beitragssatz von 0,45 auf 0,5 Prozent erhöht.

Das schweizerische Bundesrecht sah bislang keinen Vaterschaftsurlaub vor. Bis Ende 2020 konnte ein Vater bei der Geburt seines Kindes die üblichen, im Obligationenrecht vorgesehenen freien Tage in Anspruch nehmen, wie etwa bei einem Umzug, einem Todesfall oder wenn er heiratet. Meist hatten Väter Anspruch auf einen oder zwei freie Tage. Einzelne Branchen oder Unternehmen gewährten einen längeren Vaterschaftsurlaub.

So zum Beispiel Ringier und Ringier Axel Springer Schweiz (Rasch). Bislang gewährten die beiden Firmen bereits zehn Arbeitstage Vaterschaftsurlaub. Seit Jahresbeginn erhalten Papis nun neu eine vierwöchige Vaterschaftszeit (persoenlich.com berichtete). Damit gehen Ringier und Rasch auch 2021 freiwillig deutlich weiter als der Bund. «Mit der erhöhten Vaterschaftszeit stärken wir unsere Position als familienfreundliche Arbeitgeberinnen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern und einen aktiven Beitrag zu Gleichstellung leisten», liess sich Susanne Jud, Chief People Officer von Ringier, im Dezember in einer Mitteilung zitieren.

Ziehen andere Schweizer Medienhäuser hier auch mit und geben die zwei Wochen zusätzlich zur bereits bestehenden Auszeit an ihre Mitarbeitenden weiter? Nicht alle, wie eine Umfrage von persoenlich.com zeigt. Alle der angefragten Unternehmen boten zwar bisher bereits einen Vaterschaftsurlaub, einige stocken nun aber höchstens auf die gesetzlich vorgeschriebenen zwei Wochen auf. Das heisst: Diese Firmen sparen Kosten, indem ab 2021 der Staat die Papizeit bezahlt.

Zwei Wochen bleiben zwei Wochen

Bei der TX Group erhielten Väter bei der Geburt ihres Kindes bis Ende 2020 fünf Tage Urlaub. «Zudem konnten, nebst regulären Ferientagen, zusätzliche fünf Tage mittels Ferienkauf bezogen werden», so Michele Paparone, Kommunikationsverantwortlicher Finanzen, Controlling & Immobilien, auf Anfrage. «Ferienkauf» bedeutet: Im Monat des Bezuges der zusätzlichen fünf Abwesenheitstage wird der Lohn entsprechend reduziert. «Seit Anfang 2021 erhalten Väter zwei Wochen Vaterschaftsurlaub. Zudem können, nebst regulären Ferientagen, auch weiterhin fünf Tage Ferienkauf bezogen werden», so Paparone weiter.

Bislang grosszügiger als die TX Group war CH Media: Zwei Wochen Vaterschaftsurlaub wurden bis Ende 2020 gewährt. «Dies bleibt für 2021 unverändert», sagt Stefan Heini, Leiter Unternehmenskommunikation, zu persoenlich.com. Warum wird der Vaterschaftsurlaub nicht entsprechend verlängert, wie dies bei Ringier und Rasch der Fall ist – also von zwei auf vier Wochen? «Wir halten zwei Wochen Vaterschaftsurlaub für angemessen. Dass dies auch das Stimmvolk so sieht, ändert nichts an unserer diesbezüglichen Haltung», so Heini.

Ähnlich sieht es bei der Neuen Zürcher Zeitung aus. «NZZ-Mitarbeitende haben Anspruch auf zwei Wochen bezahlten Elternurlaub – aktuell und auch schon 2020», sagt Karin Heim, stv. Leiterin Unternehmenskommunikation. Zudem bestehe die Möglichkeit, zusätzliche Ferienwochen einzukaufen, unbezahlten Urlaub zu nehmen oder flexible Arbeitszeitmodelle zu nutzen, um familiäre Pflichten wahrzunehmen.

Mittel werden für Stellvertretungen frei

Auch das Onlinemagazin Republik hatte seit dem Start einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub. Und ab 2021? «Immer noch zwei Wochen. Da wir ihn bereits vorher hatten, hat sich seit dem 1. Januar 2021 bei uns nichts verändert», sagt Geschäftsführerin Miriam Walther. Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei bei der Republik ein wichtiger Grundsatz, betont sie – und verweist auf freiwillige Kinderzulagen, fünf Wochen Ferien und weitere Lohnfortzahlung bei Krankheit, Vater-/Mutterschaft und Militärdienst. Genau wie bei CH Media und der NZZ geht künftig aber die zweiwöchige Vaterschaftszeit zulasten der Staatskasse.

Noch ist bei der Republik das letzte Wort nicht gesprochen: «Wir haben noch nicht diskutiert, ob wir die zweiwöchige Vaterschaftszeit künftig verlängern werden oder nicht», so Walther weiter. Ein grosses Sparpotenzial sehe sie jedoch nicht, das sei nicht das Thema. «Da wir seit dem Start einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub bezahlt haben, bedeutet für uns als Kleinunternehmen die neue Finanzierung über die EO vielmehr eine Chance, Stellvertretungen noch besser zu organisieren, damit nicht zu viel auf den Schultern des Teams liegen bleibt.» Die Republik wolle langfristig in die Mitarbeitenden investieren, und dazu gehöre auch eine möglichst gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Nau.ch und SRG sind grosszügiger

Ringier und Rasch sind jedoch nicht die einzigen Medienhäuser mit einer grosszügigeren Familienpolitik. Auch das Newsportal Nau.ch geht mit grosszügigem Beispiel voran. Bisher gewährte das Unternehmen eine Woche Vaterschaftsurlaub. Diese bleibe auch künftig bestehen. Somit gebe es ab 2021 zusammen mit den gesetzlichen zehn Tagen neu 15 Tage Vaterschaftsurlaub, so Nina Meyer, Leiterin Kommunikation bei der Livesystems Holding.

Generöser als Nau ist das grösste Schweizer Medienhaus. Der Urlaub bei Mutterschaft und Vaterschaft ist eines der Themen, welche die SRG und das Syndikat Schweizer Medienschaffender SSM im Rahmen ihrer Verhandlungen zum neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) diskutieren. «Der neue GAV sollte ursprünglich per 2021 in Kraft treten. Wegen Corona mussten die Verhandlungen aber unterbrochen werden, was das Inkrafttreten des neuen GAV auf 2022 verzögert», so Edi Estermann, Leiter der SRG-Medienstelle, zu persoenlich.com.

Obwohl der GAV erst 2022 in Kraft tritt, hat die SRG – dazu gehört unter anderem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) – per 1. Januar 2021 den Vaterschaftsurlaub von heute zehn Tagen auf neu vier Wochen erhöht. Mütter erhalten neu 18 statt bisher 16 Wochen bezahlten Urlaub. «Wenn ein Urlaub über den Jahreswechsel 2020/2021 dauert, wird bereits die neue Regelung angewendet», sagt Estermann. Mit diesen Massnahmen wolle die SRG als familienfreundliche Arbeitgeberin ein Zeichen setzen.



Wie Schweizer Digital- und Werbeagenturen den Vaterschaftsurlaub handhaben, lesen Sie am Montag.



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Kommentare

  • Rudolf Bolli, 09.01.2021 18:02 Uhr
    Das Geld für den Vaterschaftsurlaub kommt nicht vom Staat, sondern von der Sozialversicherung namens Erwerbsersatzordnung, die zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanziert wird. Für den Vaterschaftsurlaub sind die Beiträge erhöht worden. Wenn die Unternehmen neu vorwrg für die obligatorische Leistung bezahlen müssen, ist es nicht abwegig, dass sie sich dafür bei der freiwilligen Leistung entlasten wollen. Bleibt die Frage, wie der Saldo aussieht.
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