02.10.2021

Presseschau

So kommentieren Medien die Impfoffensive

Der Bundesrat will nicht mehr in Corona-Tests, sondern in eine Impfoffensive investieren. Geplant sind unter anderem 50-Franken-Gutscheine für sogenannte «Impfluencer». Die Kommentare von NZZ, Blick und Watson.
Presseschau: So kommentieren Medien die Impfoffensive
Unkonventionelle Massnahme: Kantone sollen jenen, die einen Freund, eine Nachbarin oder ein Familienmitglied vom Impfen überzeugen konnten, einen Gutschein über 50 Franken aushändigen. (Bild: Keystone/Gaëtan Bally)

Neue Zürcher Zeitung

«Der Bundesrat will mit einem 50-Franken-Gutschein ein Heer von Impfbotschaftern in Gang setzen. Der Vorschlag wirkt verzweifelt. (…) Überzeugte Impfbefürworter muss man nicht mit einem Gutschein zur Predigt schubsen, sie tun es aus eigenem Antrieb. Wer dagegen nicht überzeugt ist, wird auch mit Geld nicht dazu bewegt werden können, seinem Umfeld die Spritze schmackhaft zu machen. (…) Die Zögerlichen, Ängstlichen und Skeptischen werden sich nicht mit einem Kino- oder Restaurantgutschein in ein Impfzentrum locken lassen. (…) Der Bund sollte besser seine Anstrengungen auf die Vektorimpfung konzentrieren. (…) Der herkömmliche Impfstoff, der ohne mRNA funktioniert, verspricht deutlich mehr Schub für die Impfkampagne.»

Blick

«Nötig ist es: Mit einer Impfquote, die nicht einmal 60 Prozent erreicht, sind wir das Impf-Schlusslicht in Westeuropa. Bleibt das so, wird der Winter hart. Alle Massnahmen aufzuheben, wie das Dänemark, Schweden und Portugal nun tun, wird nicht möglich sein. Dass der Bund nun 150 Millionen Franken in die Hand nimmt, ist da richtig und wichtig. (…) Anders sieht das mit der Impfwoche und den Überredungs-Gutscheinen aus. Wer die Impfung ablehnt, wird auf eine Dauerbeschallung, die ‹vom Nutzen einer Impfung überzeugen› soll, bestenfalls genervt sein, im schlechtesten Fall aber noch skeptischer werden. Schlicht falsch ist der Plan, Menschen mit 50-Franken-Gutscheinen zu belohnen, wenn sie andere von der Impfung überzeugen. Denn das ist nichts anderes als eine verzweifelte Kapitulation: das Eingeständnis, dass Argumente nicht ausreichen.»

Watson

«Diese Impfoffensive ist zu wenig und kommt zu spät. (…) Auf diese Idee hätte er schon vor zwei Monaten kommen müssen. (…) Der Bundesrat gibt die Vorschläge zuerst in Konsultation. Weil nächste Woche wegen den Herbstferien keine Sitzung stattfindet, wird er Mitte Oktober definitiv entscheiden. Der Start könnte erst im November erfolgen und damit mitten im Herbst, sofern die Kantone nicht von sich aus tätig werden. Wenn es schlecht läuft, stecken wir dann in Teufels Küche. (…) Wo die Schweiz stehen könnte, sieht man anderswo. Portugal hat am selben Tag, an dem der Bundesrat seine Impfoffensive beschlossen hat, fast alle Corona-Massnahmen aufgehoben. (…) Eine klare Kommunikation, ein gewisser Leidensdruck (…) und ein hohes Vertrauen in die Behörden haben diese Erfolge ermöglicht. Bei uns ist keiner dieser drei Punkte gegeben.» (sda/cbe)



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