Auf den 29. Februar erhalten die SF-Flaggschiff-Sendungen einen frischen Anstrich. So bekommen die "Tagesschau" und "10vor10" neue Designelemente (vgl. unten), zum Teil auch "Schweiz aktuell", "SF Börse" und "SF Meteo".

Die "Tagesschau" wird formal präzisiert und stärker ritualisiert.

Für "10vor10" als jüngeres und vertiefendes Format hat SRF innovativere Erzählformen entwickelt und es wird zum Beispiel eine themenverstärkende Monitorwand eingesetzt. Visuelle Erklärstücke finden verstärkt ihren Einsatz, um Information vertiefend und verständlich zu vermitteln. Alex Hefter, Creative Director bei SRF, erklärt im Interview mit persoenlich.com die Neuerungen:

Herr Hefter, das letzte Redesign von 2006 kam sehr gut an, galt als fortschrittlich und es wirkt auch heute noch modern. Warum ist diese Erneuerung jetzt schon wieder nötig?
Freut mich, wenn Sie das so sehen! Wir haben 2006 ein Design entwickelt, das auf Langlebigkeit ausgerichtet war. Grosse und auch kostenintensive Teile des News-Design werden wir auch erhalten. Die gesamte Studioarchitektur ist ja von einer Qualität und Klarheit geprägt, die wir, neben ein paar kleinen Anpassungen weiterhin so bestehen lassen. Wir überarbeiten im Zuge der HD-Umstellung die Signete, Karten und Erkläranimationen. Hier verbinden wir einen über kurz oder lang anstehenden Refresh mit notwenigen Massnahmen durch das neue Bildformat HD. Zwei Fliegen mit einer Klappe, könnte man sagen.
Was mussten Sie bei diesem Projekt besonders beachten?
Das Redesign der Dachmarke SRF ist als Teil der neuen Markenarchitektur und Markenstrategie der SRG SSR zu verstehen. Wir haben im Hinblick auf die Konvergenz, also dem regionalen Zusammenschluss der Radio- und TV Sender unter einem Dach vom Jahr 2010, die Chance genutzt, die neu entstandenen Unternehmensmarken RSI, RTR, RTS und SRF gemeinsam mit der SRG SSR in einer gemeinsamen Markensystematik einzubinden. So konnten wir ein einmal entwickeltes Branding hocheffizient auf die vier Unternehmenseinheiten in den Regionen transportieren.
Die Weltkugel dient weiterhin als Symbol für alle Newssendungen. Warum halten Sie daran fest?
Die Weltkugel ist global das Symbol für Information und Aktualität. Es steht völlig selbsterklärend für das Weltgeschehen. Etwas beim Publikum so Selbstverständliches und Vertrautes muss man nicht ohne Not aufgeben. Wir haben in den unterschiedlichen Signeten nur den Blick auf die Welt entsprechend der inhaltlichen Herangehensweise an die Themen neu interpretiert.
Wie lange dauerte das Projekt?
Wir haben vor etwa 18 Monaten mit ersten Analysen begonnen und freuen uns, das Ergebnis in wenigen Wochen auf dem Bildschirm zu präsentieren.
Wer arbeitete mit?
Es ist ein sehr kleines Inhouse-Team, das das Projekt von Beginn bis zur Umsetzung begleitet. Severine Waibel, Art Directorin für die Information, Lea Montini im Projektmanagement, Barbara Weibel für die Regie und Patrick Arnecke für das On-Air-Design bilden den harten Kern, betreuen daneben aber auch noch andere Projekte.
Wie teuer ist das Redesign?
Unbezahlbar, da wir das Konzept von Anfang bis Ende mit internen Ressourcen gestemmt haben (lacht). Ich bin stolz darauf, dass wir so gute Mitarbeiter im Haus haben, mit denen wir solche Projekte auf internationalem Niveau entwickeln und umsetzen können und dies nicht teuer einkaufen müssen.
Wie gross ist der Budgetposten, der eingesetzt wurde?
Wir haben das gesamte Projekt innerhalb des Tagesgeschäfts mit den bestehenden personellen Resourcen realisiert.
Warum wurden nur TV-Sendungen erneuert und keine Radio-Formate?
Der Relaunch ist synchron zur HD-Umstellung zu sehen. Dies betrifft nur die TV-News.
Zukünftig basieren die Newssendungen von SRF auf dem gleichen grafischen Gestaltungskonzept. Was tun Sie, damit das Profil der einzelnen Sendungen klar umrissen bleibt und nicht immer mehr verwischt?
Die unterschiedlichen Nachrichtensendungen müssen sich durch die Aufbereitung und Aufarbeitung der News unterscheiden. Dies geschieht in erster Linie auf redaktioneller und dramaturgischer Ebene. Ebenso spielen die Moderatoren oder Anchor für die jeweiligen Formate eine wichtige Rolle. Hier haben wir einen ausführlichen Research gemacht und analysiert, welche Elemente zur Unterscheidbarkeit fürs Publikum überhaupt wichtig sind. Die Erkenntnis: Der Moderator, die Dramaturgie und die inhaltliche Aufbereitung der Sendung schaffen die Differenzierung. Das einheitliche Gestaltungskonzept für alle Newssendungen wird als sendungsübergreifende Kennzeichnung der Nachrichtenkompetenz des Gesamtunternehmens verstanden. Für dieses Zuschauerbedürfnis bin ich sehr dankbar. Hier können wir alle Kraft in die visuelle Aufbereitung der Inhalte stecken und verlieren uns nicht in Details.
Geplant ist, künftig vermehrt Infografiken einzusetzen. Diese waren lange verpönt, sie gehörten nicht zur TV-Bildsprache. Warum diese Kursänderung?
Diese Entwicklung ist bei SF ja nun auch gar nicht mehr so neu. Ich darf an die Sendung "Eco" erinnern, die seit Jahren animierte Infografiken und Erklärstücke mit grossem Erfolg einsetzt.

Text: Edith Hollenstein

