Marco Boselli, Chefredaktor 20 Minuten
Die Seite ist klar strukturiert und übersichtlich. Mich dünkt aber, sie wisse (noch?) nicht so recht, was sie sein soll: Programm-Hinweis-Portal? Bewegtbild-Wiederverwertungs-Kanal? News-Site? Der Spagat von einer Ankündigung von Bo Katzmans Weihnachtssingen im Radiostudio über die Proteste nach den Ägypten-Wahlen bis zu einer Servicestory über die Vorteile von Honigkonsum bei Husten scheint mir jedenfalls ziemlich gross. Bewegtbild ist der Online-Trend der Stunde. Was SF - pardon - SRF da mit Gebührengeldern im Netz anrichten darf, ist natürlich immer Konkurrenz.

Die Seite ist klar strukturiert und übersichtlich. Mich dünkt aber, sie wisse (noch?) nicht so recht, was sie sein soll: Programm-Hinweis-Portal? Bewegtbild-Wiederverwertungs-Kanal? News-Site? Der Spagat von einer Ankündigung von Bo Katzmans Weihnachtssingen im Radiostudio über die Proteste nach den Ägypten-Wahlen bis zu einer Servicestory über die Vorteile von Honigkonsum bei Husten scheint mir jedenfalls ziemlich gross. Bewegtbild ist der Online-Trend der Stunde. Was SF - pardon - SRF da mit Gebührengeldern im Netz anrichten darf, ist natürlich immer Konkurrenz.
Hansi Voigt, ehemaliger Chefredaktor 20minuten.ch

Grundsätzlich finde ich den neuen SRF-Auftritt gelungen. Die Radio und TV-Inhalte sind gut in das Web-Angebot integriert. Es wird erstmals sichtbar, wie weit der Konvergenzgedanke bei Radio- und TV-Leuten bereits umgesetzt ist und wie gross das Inhaltsangebot des geballten SRF ist. Die Social- Media-Ansicht ist sehr gelungen und zeigt, dass man mit dem User auf Augenhöhe kommunizieren möchte. Optisch ist mir das Angebot aber zu brav. Die Bilder sind zu klein, die Ordnung über die diversen Ressorts und Inhaltsverzeichnisse ist nur eine Scheinbare, der User wird sich vor allem auf der Front bewegen. Da wird er nicht sehr weit runterscrollen, weil man mit dem Revolver-Teaser den Schwerpunkt ganz oben gesetzt hat. Geschichten, die weiter unten platziert sind, haben den Kampf um die Aufmerksamkeit verloren. Wahrscheinlich wird hier der Kompromiss sichtbar, dass man sich letztlich doch nicht als klare Newsseite darstellen möchte oder darf. Dennoch: Die SRF-Page hat das Potenzial, die klassischen Newssites zu konkurrenzieren. Denn das inhaltliche Angebot ist sehr gut. Allerdings wird das grösste Problem sein, dass die Inhalte halt doch zunächst für das TV- oder das Radio-Publikum gemacht wurden. So denke ich, dass die SRF-Seite bei älteren Usern ein sehr grosser Erfolg wird, bei Jüngeren eher nicht. Dazu wird die ganze Interaktion zu zaghaft eingesetzt. Aber vielleicht kommt das ja noch.
Peter Wälty, Chefredaktor newsnet.ch
Optisch spricht mich die Seite weniger an, dennoch ist sie gut gemacht. Vor allem was die Struktur betrifft. Diese ist klar und logisch - klassisch gegliedert eben. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass eine Seite direkt nach dem Launch technisch gut funktioniert. Die SRF-Seite stellt klar eine Konkurrenz dar. Ich bin überrascht, wie stark sich die Seite an Newsportalen anlehnt. Struktur und Aufbau sind ja eigentlich identisch. Die einzelnen SRF-Sendegefässe indessen muss man richtigehend suchen. Überhaupt erhält man den Eindruck, es gehe weniger um audiovisuelle Beiträge, sondern um Texte, teilweise auch lange exklusive Online-Autorentexte. Die haben dort nichts verloren. Die Anzahl Unique Clients der bisher getrennten Fernseh- und Radioseiten belief sich vor dem Launch schon auf etwa 3 Millionen. Mit dieser Reichweite befindet sich die SRF-Seite sofort auf Augenhöhe mit den grossen Newsportalen blick.ch und 20minuten.ch. Mit dem konsequenten Rebranding kann SRF nun aus allen Sendekanälen heraus zusätzlich Traffic pushen. Aber solange die Site werbefrei bleibt, stört mich das nicht gross. Aber was besonders irritiert:Vieles von dem, was der Bundesrat ursprünglich zu Bedenken gegeben hat, also die Wünsche der Verleger wie inhaltliche Beschränkungen, wurde von SRF komplett ignoriert. Das ist im Vorfeld der Konzessionsanpassung einerseits ein Zeichen erheblicher Arroganz, andererseits erstaunlicher Ideenlosigkeit. Denn Radio und Fernsehen der Zukunft müssen und sollen im Internet stattfinden, aber doch nicht als Kopie eines digitalisierten Presseerzeugnisses.

Optisch spricht mich die Seite weniger an, dennoch ist sie gut gemacht. Vor allem was die Struktur betrifft. Diese ist klar und logisch - klassisch gegliedert eben. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass eine Seite direkt nach dem Launch technisch gut funktioniert. Die SRF-Seite stellt klar eine Konkurrenz dar. Ich bin überrascht, wie stark sich die Seite an Newsportalen anlehnt. Struktur und Aufbau sind ja eigentlich identisch. Die einzelnen SRF-Sendegefässe indessen muss man richtigehend suchen. Überhaupt erhält man den Eindruck, es gehe weniger um audiovisuelle Beiträge, sondern um Texte, teilweise auch lange exklusive Online-Autorentexte. Die haben dort nichts verloren. Die Anzahl Unique Clients der bisher getrennten Fernseh- und Radioseiten belief sich vor dem Launch schon auf etwa 3 Millionen. Mit dieser Reichweite befindet sich die SRF-Seite sofort auf Augenhöhe mit den grossen Newsportalen blick.ch und 20minuten.ch. Mit dem konsequenten Rebranding kann SRF nun aus allen Sendekanälen heraus zusätzlich Traffic pushen. Aber solange die Site werbefrei bleibt, stört mich das nicht gross. Aber was besonders irritiert:Vieles von dem, was der Bundesrat ursprünglich zu Bedenken gegeben hat, also die Wünsche der Verleger wie inhaltliche Beschränkungen, wurde von SRF komplett ignoriert. Das ist im Vorfeld der Konzessionsanpassung einerseits ein Zeichen erheblicher Arroganz, andererseits erstaunlicher Ideenlosigkeit. Denn Radio und Fernsehen der Zukunft müssen und sollen im Internet stattfinden, aber doch nicht als Kopie eines digitalisierten Presseerzeugnisses.
Umfrage: Claudia Thöny

