18.07.2012

DRS2

Stellt Radios aus der ganzen Welt vor

Eine Hommage ans Radiomachen.

DRS2 hat sich aufgemacht und acht von weltweit 40'000 Radiostationen besucht. Unter dem Titel "Radio Global: Weltreise durch den Äther" werden in "DRS2aktuell" nun von Montag 16. bis Samstag 28. Juli verschiedene Radiosender vorgestellt. Das Medium "Radio" gibt sich für einmal also ganz selbstreferenziell und berichtet über sich selbst. DRS2 kündet im Sendungsbeschrieb vielverheissend an: "Es werden spannende Kultursender und Alternativradios aus der ganzen Welt entdeckt."

Den Anfang der Beitrags-Reihe machte dabei "Federal News Radio", ein "Nischen-Sender" aus den USA, der sein Programm eigens für Washingtoner Regierungsbeamte macht. Im Beitrag meint die Programmleiterin des US-Senders denn auch unumwunden, dass der Sender Zuhörer ausserhalb der Beamtenschaft durchaus ausschliessen will: "Wenn alle Leute unser Programm verstehen würden, hätte ich meinen Job nicht recht gemacht."

Bewusst will DRS2 in dieser Reihe auch "Nischen-Sender" darstellen, "weil diese etwas über die Funktion und die Geschichte von Radio erzählen", wie Ellinor Landmann, verantwortliche Redaktorin bei DRS2aktuell, gegenüber persoenlich.com meint.

Weitere ungewöhnliche und auch schräge Radiostationen werden also folgen. So etwa "Radio Radicale" aus Italien, dessen Name Programm zu sein scheint. "Es ist der Sender einer Kleinstpartei, der Radikalen, die sich für Laizismus und mehr Bürgerrechte einsetzen. Für heutige Ohren kommt er eher verstaubt daher: Hier werden die Interviews nicht geschnitten und Parlamentsdebatten in voller Länge gesendet", so Landmann. Ein weiterer Sender ist "Sister Radio" aus Taiwan. Dieser sendet auf ländlichem Gebiet, spielt folkloristische Musik und kümmert sich um Frauenanliegen. Die Finanzierung des Senders geschieht sinnigerweise über Kosmetikwerbung. "Der Spagat ist beachtlich, aber der Idealismus und Pragmatismus dieser Radiomacherinnen ist bewundernswert", so Landmann auf die Frage, welcher der porträtierten Sender ihr am meisten Eindruck gemacht habe.

DRS2 hat sich für die Beitragsreihe nicht auf Telefonanrufe, Podcasts, verfasste Mitteilungen und dergleichen verlassen. Ihre Reporter waren bei allen Radiostationen vor Ort und haben einen persönlichen Augenschein genommen. Möglich gemacht habe dies vor allem das Netz von DRS-Korrespondenten und freien Mitarbeitern, das durch die tägliche Gesprächsrubrik „Metro“ zustande gekommen sei, so Landmann. In "Metro" nehmen Journalisten vor Ort Bezug zu ausländischen Kultur und Gesellschaftsthemen. "Viele dieser Journalisten gestalteten auch gerne radiophone Beiträge, dies komme 'Radio Global' zu Gute", wie Landmann hinzufügt

Die DRS2-Redaktorin schwärmt denn auch vom neuen Sommerformat: "Ich höre über diese Serie in die Radio-Vielfalt rein, und merke welche wichtigen Funktionen Radio noch immer hat." Die Vielfalt ist denkbar gross: So könne es in patriarchal geprägten, ländlichen Gebieten Emanzipation vorantreiben, im Falle von "Infowar" aus Griechenland alternative Informationen verbreiten oder in einer Nische "herumbröseln" – und dies mit beachtlichen Hörerzahlen. "Oder es kann einen Aufbruch in die Demokratie begleiten, wie etwa „Radio Rock and Pop“, ein Musiksender, der mit seinem frechen Wortprogramm zu Meinungsvielfalt und Informationsfreiheit in Argentinien nach der Diktatur tüchtig beigetragen hat."

Die DRS2-Sendungsreihe stellt also nicht bloss acht verschiedene Radiostationen vor, sie ist gewissermassen auch eine Hommage an das Medium "Radio". Die Sendung zeigt, welche Möglichkeiten Radio eröffnet, welche Funktionen es erfüllt und unter welchen Produktionsbedingungen das Radiomachen in verschiedenen Erdteilen und der heutigen Zeit stattfindet.

Text: Benedict Neff


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