02.05.2002

Beobachter

Stellvertretender Chefredaktor Fredi Lüthin nimmt den Hut

Drei weitere Mitarbeiter gehen, zusätzliche Abgänge werden erwogen.

Nach den Turbulenzen um die Zukunft von Jean Frey und Beobachter und nach dem damit zusammenhängenden Abgang von Beo-Chefredaktor Ivo Bachmann hat gemäss Recherchen von "persoenlich.com" auch der Stellvertretende Chefredaktor Fredi Lüthin seine Kündigung eingereicht. Drei weitere Mitarbeiter gehen, zusätzliche Abgänge werden erwogen. Die Belegschaft wird in diesen Minuten informiert.

Lüthin hatte den Entscheid schon lange gefällt. "Der Posten des Chefredaktors kam für mich nie in Frage, weil ich persönlich der Jean Frey AG keine grossen Chancen gebe", erklärte er gegenüber "persoenlich.com". Auch möchte er "für den allergrössten Teil der neuen Besitzer" nicht arbeiten: "Ich stelle mein Know-How nicht jedem Arbeitgeber zur Verfügung."

Bis zum endgültigen Abgang kann es noch eine Weile dauern, denn die Kündigungsfrist von Lüthin beträgt vier Monate. "Es ist das Los des Stellvertreters, dass er weiterarbeiten muss." Ob er allerdings die ganze Zeit auf der Redaktion bleiben werde, sei noch offen. Jedenfalls werde Lüthin dem neuen Chefredaktor Balz Hosang einen möglichst guten Übergang ermöglichen.

Hosang fällt es zu, die Redaktion am Donnerstag um 13.30 Uhr, seinem ersten Arbeitstag, über Lüthins Kündigung informieren zu müssen. Die Zukunft ist für Lüthin noch offen. "Für mich gibt es zwei Wege: Den Journalismus, wo ich mich gegenwärtig umsehe, und die Unternehmenskommunikation -- ein Seitenwechsel würde mich reizen."

Fredi Lüthin ist nicht der einzige, der den Beobachter verlässt. Ebenfalls gekündigt haben per Ende April Produktionsleiter Thomas Roth, Ressortleiterin Rahel Stauber und der Redaktor Kurt Juchli. In ihren Rundschreiben an die KollegInnen geben beide an, sie würden unter den neuen Bedingungen nicht mehr bleiben wollen. Stauber ist Trägerin des letztjährigen Zürcher Journalistenpreises, Roth hatte zwischen Produktion und Redaktion eine Schlüsselfunktion inne und Juchli ist ausgewiesener Experte im Fachbereich Konsum. Alle drei Mitarbeiter werden von einem Insider als "wichtig für die Redaktion" bezeichnet, ebenso wie Adrian Schmid, der schon vor Wochen zeitgleich mit Ivo Bachmann kündigte.

Möglicherweise ist das noch nicht das Ende. Verschiedene Mitarbeiter denken offenbar weiterhin über eine Kündigung nach. Bei der Redaktion erwartet ein Kenner der Verhältnisse nochmals drei bis vier Kündigungen, beim Beratungsteam könnten weitere dazukommen. "Die Luft ist raus, da wurde einfach zu viel kaputt gemacht", meint der Insider.


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