Seit dem 21. Juni ist klar: "Schweizer Radio und Fernsehen" (SRF), die neue trimediale Unternehmenseinheit der SRG Deutschschweiz, wird vom frisch ernannten Regionaldirektor Ruedi Matter geleitet und verfügt über eine achtköpfige Geschäftsleitung ("persoenlich.com" berichtete). Fest steht ferner, dass sechs der künftigen Geschäftsleitungsmitglieder auch publizistische Verantwortung übernehmen werden. Nun steht die personelle Bestellung dieses SRF-Gremiums als Matters vordringliche Aufgabe an: Damit die neue SRF-Struktur ab 2011 auch tatsächlich konvergent umgesetzt werden kann, müssen mindestens die programmrelevanten Kaderfunktionen bis Ende August gewählt sein. Konkret sind dies die beiden Chefredaktoren von Radio und Fernsehen sowie die Abteilungsleitenden Programme, Kultur, Sport und Unterhaltung.
SRG akzeptiert primär interne Stellenausschreibungen
Wegen der knappen Zeit hat nun Matter dem Wahlgremium aus SRG-Verwaltungsrat und Trägerschaft (Regionalvorstand SRG.D) eine Art beschleunigtes Wahlprozedere vorgeschlagen. Dies geht aus einer internen Mitteilung der SRG-Geschäftsstelle hervor. So wurde auf seinen Vorschlag hin entschieden, "die programmrelevanten Abteilungsleitungsfunktionen in der Regel intern" auszuschreiben. Nur "zum Teil" werde auch extern ausgeschrieben und bloss "im begründeten Einzelfall" sei auch eine Berufung möglich.
Weiter heisst es in der Mitteilung, dass die Ausschreibung durch Matter erfolge, und zwar am 6. Juli. Da SR DRS und SF bisher nur die Abteilungsleiter Unterhaltung und Kultur ausgeschrieben haben, ist davon auszugehen, dass die vier andern Posten mit SRG-eigenen Personen besetzt werden. Gemäss Mitteilung läuft der Auswahlprozess unter Leitung Matters ab sofort, wobei der Regionaldirektor von einem dreiköpfigen Nominationsausschuss des Regionalvorstandes SRG.D (Viktor Baumeler, Niggi Ullrich, Urs Rellstab) begleitet wird. Ende August wird dann der gesamte Regionalvorstand SRG.D einen Wahlantrag an den SRG-Verwaltungsrat formulieren, allerdings ist schon jetzt pro Position nur ein Einervorschlag vorgesehen. Auf diesen Antrag hin wird der SRG-Verwaltungsrat schliesslich definitiv entscheiden.
Wird Haldimann wieder TV-Chefredaktor?
Natürlich wird bereits spekuliert, welche Personen auf diese sechs wichtigen und meist trimedial ausgerichteten Posten gehievt werden. Keiner ist schon wirklich fix bestellt. Mit der Wahl Matters zum SRF-Regionadirektor wurde der Sessel des Chefredaktors Radio frei. Auch die Abteilung Unterhaltung ist vakant, seit bekannt ist, dass Gabriela Amgarten SF per Ende Jahr verlassen wird ("persoenlich.com" berichtete). Etwas unklar ist die Situation beim Posten Chefredaktor TV: An sich ist dieser derzeit von Hansruedi Schoch besetzt, doch wenn man der "Basler Zeitung" glauben will, dann wird Schoch nächstes Jahr auf eine Weltreise gehen. Kommt dazu, dass offenbar Ueli Haldimann einen Anspruch auf diesen Posten hat. Dies ist jedenfalls dem aktuellen "Link", dem Magazin der SRG.D, zu entnehmen. Haldimann, der als interimistischer SF-Direktor eine Funktion ausübt, die Ende Jahr ohnehin überflüssig wird, erhielt gemäss "Link" bei seiner Ernennung von der SRG die Zusicherung, "dass er ab 2011 wieder seine frühere Funktion als SF-Chefredaktor übernehmen könne". Ebenfalls eine bald überflüssige Funktion übt Iso Rechsteiner aus, aktuell noch Direktor von Radio DRS. Ob er als Chefredaktor Radio in Frage kommt? Gemäss "Link" würde sich Matter jedenfalls "freuen", wenn sowohl Haldimann als auch Rechsteiner der SRG erhalten blieben. "Wir sind im Gespräch", wird zitiert.
Fast alle Support- und Stabstellen im Prinzip besetzt
In der SRF-Geschäftsleitung ebenfalls vertreten sind die Supportbereiche Kommunikation & Marketing, Finanzen & Controlling sowie das tpc (tv productioncenter Zürich AG). Die Besetzung dieser Posten scheint weniger vordringlich, denn hier stehen schon Namen fest: Das tpc, eine Tochterfirma der SRG, wird seit längerem von Alex Krombholz geleitet, daran darf Matter kaum rütteln. Und bei den zwei andern Bereichen kommunizierte die SRG schon im Februar ("persoenlich.com" berichtete) eine interimistische Besetzung durch Claudia Bossert (K&M) und Guy Luginbühl (F&C). Matter kann nun entscheiden, ob er diese Interimsleitenden definitiv einsetzt oder einzelne Stellen doch noch neu ausschreibt. Letzteres dürfte aber kaum der Fall sein, nicht nur wegen des Zeitdrucks. Ähnliches gilt für Matters Stab: Im Februar wurde Rémy Trummer zum vorläufigen Leiter des Bereichs Ausbildung sowie Florian Galliker zum interimistischen Leiter des Bereich Human Resources ernannt. Offen im Stab ist einzig der Bereich Programmstruktur & Programmforschung.

