20.12.2013

NZZ

Swisscom prüft rechtliche Schritte gegen die Zeitung

Die Bänder seien kopiert und weiter ausgewertet worden.
NZZ: Swisscom prüft rechtliche Schritte gegen die Zeitung

Das Verfahren im Zusammenhang mit dem Diebstahl von vier Datenbändern der Swisscom ist sistiert worden. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern bestätigte einen entsprechenden Bericht der NZZ. In dem Bericht enthüllte die NZZ auch neue Details zu den entwendeten Daten. Die Swisscom prüft nun rechtliche Schritte gegen die Zeitung.

Die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) hatte den Diebstahl der Sicherheitskopien aus zwei Rechenzentren der Swisscom im Kanton Bern im Herbst aufgedeckt, nachdem ihr die Bänder zugespielt worden waren (persoenlich.com berichtete). Die Swisscom hatte darauf Strafanzeige eingereicht.

"Die Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland hat das Verfahren gegen Unbekannt im Fall der entwendeten Swisscom-Datenbänder sistiert" sagte der Infobeauftragte der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Christof Scheurer, am Freitag. "Zurzeit sind keine weiteren, verhältnismässigen Beweismassnahmen ersichtlich, welche zur Ermittlung der unbekannten Täterschaft führen könnten." Zur Frage, warum das Verfahren nicht eingestellt wurde, sondern nur sistiert, sagte Scheurer, der Straftatbestand des  Diebstahls und möglicherweise der unrechtmässigen Aneignung stehe weiter im Raum.

Damit harrt der Datendiebstahl weiter einer Klärung. "Auch weil die NZZ sich auf den Quellenschutz berufen hat", sagte Swisscom-Sprecher Carsten Roetz dazu.

Swisscom beschwichtigt  
Die vier Bänder enthalten Backups aus den Jahren 2008 bis 2010. Gemäss Swisscom befanden sich auf einem Band rund 40 firmeninterne Mail-Konten aus dem Zeitraum von 2004 bis 2008. Die meisten davon seien lückenhaft. Teilweise seien nur Sender und Empfänger der Mails ersichtlich, nicht aber deren Inhalt.

Auf einem zweiten Band seien zwei interne Swisscom Testdatenbanken. Somit seien dort "keine Daten aus Systemen abgebildet, die wir für unsere Kunden betreuen", schreibt die Swisscom. Ein drittes Band sei beschädigt oder leer und damit unlesbar.

Daten von Prominenten  
Die NZZ schrieb in ihrer Ausgabe vom Freitag dagegen, auf den Bändern befänden sich rund 60 Millionen Datensätze, darunter Swisscom-interne E-Mails sowie weitere Internas des grössten Schweizer Telekom-Anbieters.

Unter den entwendeten Daten soll auch eine Liste mit 972 Prominenten sein, darunter Bundesräte, National- und Ständeräte und Exponenten der Wirtschaft, wie die NZZ am Freitag berichtete. Auch Stars aus Sport, Kunst und Showbusiness sind gemäss NZZ auf dieser Liste zu finden. Demnach sind auf der Liste Wohn- und Mail-Adressen, Handy- und Festnetznummern sowie das Geburtsdatum der Prominenten festgehalten. Dabei nannte die NZZ auch einige Namen.

Swisscom-Sprecher Roetz wollte diese Angaben nicht kommentieren. Man sei derzeit noch immer dabei, die von der NZZ der Swisscom übergebenen Bänder auszuwerten. "Nach unserem Kenntnisstand sind aber auf den Bändern keine heiklen Daten wie Passwörter oder Verbindungsdaten zu finden", fügte er an.

Swisscom prüft rechtliche Schritte 
Die NZZ hatte im Herbst drei der vier Bänder zurückgegeben. Das vierte Band wurde gemäss der Staatsanwaltschaft von der Zeitung an die Quelle zurückgegeben und von dieser vernichtet, sagte Roetz.

Nach der neusten Veröffentlichung der Zeitung zum Inhalt der Bänder ist für die Swisscom klar, "dass die NZZ die Bänder kopiert und weiter ausgewertet hat". Die Swisscom prüfe deshalb rechtliche Schritte gegen die Zeitung. "Wir drängen darauf, dass auch diese Daten vernichtet werden", sagte er. "Bislang weigert sich die NZZ."

Die Swisscom verurteilte ferner die Veröffentlichung von Namen in der Ausgabe vom Freitag. "Für eine solche Veröffentlichung besteht aus unserer Sicht kein öffentliches Interesse", sagte Roetz. Damit verletze die NZZ vielmehr die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen. Die Swisscom prüfe auch hier rechtliche Schritte. (sda)


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