Die "Tagesschau" des Schweizer Fernsehens (SF) hat mit der Ausstrahlung eines Beitrages über Depressionen das Recht am eigenen Bild verletzt. Vom Vorfall ist der ehemalige Pressechef des Eidg. Finanzdepartements, Dieter Leutwyler, betroffen. Die "Tagesschau" strahlte in ihrer Hauptausgabe Ende Februar einen Beitrag zum Thema Depressionen und Stigmatisierung aus. Im Beitrag war Dieter Leutwyler, ehemaliger Pressechef von Alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz, bei seiner Arbeit im Bundeshaus zu sehen.
Vermerk für Symbolbilder fehlte
Die "Off"-Stimme in der "Tagesschau" warnte während der Ausstrahlung der Bilder, übermässige Belastung am Arbeitsplatz könne schnell zu Depressionen führen. Der Vermerk, dass die gezeigten Aufnahmen Symbolbilder waren, fehlte. Er sei im Beitrag eindeutig identifizierbar gewesen und habe nach der Sendung auch einige Reaktionen erhalten, sagte Dieter Leutwyler am Donnerstag zu einem Artikel der Zeitungen "Bund" und "Tages-Anzeiger". Das Schweizer Fernsehen habe mit dem Beitrag das Recht am eigenen Bild verletzt. Leutwyler ist mittlerweile Kommunikationschef der Sicherheitsdirektion des Kantons Basel-Landschaft.
SF entschuldigt sich
Die im Beitrag verwendeten Archivbilder seien zur Veranschaulichung gebraucht worden. Leutwyler sei in einer Bildsequenz knapp drei Sekunden zu sehen gewesen, sagte SF-Mediensprecher Marco Meroni. "Es bestand kein direkter Zusammenhang zur Person, etwa mit einem Wortbeitrag". Die gezeigten Aufnahmen könnten dennoch suggerieren, dass der Dargestellte an Depressionen leide. SF habe eine Szene gebraucht, die so nicht hätte verwendet werden dürfen. "Dafür haben wir uns entschuldigt und den Beitrag von der Internetseite genommen." Damit sei der Fall für ihn erledigt, sagte Leutwyler. Er werde keine rechtlichen Schritte einleiten.

