08.04.2021

Zusammenlegung Bund/BZ

Tamedia streicht in Bern 20 Vollzeitstellen

Die Gesamtleitung übernimmt BZ-Chefredaktor Simon Bärtschi. Am Markt sollen die beiden Titel Bund und BZ eigenständig bleiben. Die Gewerkschaft spricht von einem Kahlschlag.
Zusammenlegung Bund/BZ: Tamedia streicht in Bern 20 Vollzeitstellen
Die konkrete Umsetzung der Neuorganisation findet in den kommenden Monaten unter Einbezug der Redaktionen statt. (Archivbild von 2009: Keystone/Alessandro della Valle)

Am Donnerstag hat Tamedia die Belegschaft über die Zusammenführung von Berner Zeitung und Bund informiert. 20 Vollzeitstellen werden abgebaut, wie via Twitter zu vernehmen war und Tamedia kurz nach 11 Uhr in einer Mitteilung schreibt. Diese Zahl stehe unter Vorbehalt der Ergebnisse der Konsultation. Der Abbau soll «so weit wie möglich über die natürliche Fluktuation erfolgen», schreibt Tamedia. Andernfalls komme ein Sozialplan zur Anwendung.

Titel bleiben als zwei Marken bestehen

Die Gesamtleitung der fusionierten Redaktion übernimmt BZ-Chefredaktor Simon Bärtschi. Patrick Feuz wird Mitglied der neuen Chefredaktion und bleibt Chefredaktor von Der Bund. Am Markt bleiben die beiden Titel eigenständig, sie sollen je ihr eigenes Publikum ansprechen. Der Bund will seinen Meinungs- und Debattenteil stärken und die breitere Auslands- sowie Kulturberichterstattung aufweisen, während die Berner Zeitung auf eine umfassendere Regionalberichterstattung sowie den Sport setzt.

«Damit entsteht in der Hauptstadt eine neue Redaktion, welche die Stärken unserer beiden Titel verbindet und mit hoher journalistischer Kompetenz der Leserschaft im ganzen Kanton relevante Geschichten und fundierte Inhalte mit Hintergrund und Einordnung bietet», lässt sich Bärtschi in der Mitteilung zitieren. Und Feuz vom Bund ergänzt: «Wir greifen Themen auf, die über Milieu- und Gemeindegrenzen hinaus interessieren, und beleuchten Politik und Gesellschaft aus verschiedenen Blickwinkeln. Mit einem modernen Storytelling wollen wir auch ein neues, junges Publikum ansprechen.»

Ressortleitungen neu bestimmt

Zur Chefredaktion der neuen Redaktion gehören neben Bärtschi und Feuz Regula Fuchs (Kultur, Aus- & Weiterbildung) und Wolf Röcken (Tagesleitungen & Newsmanagement). Darüber hinaus wird laut der Tamedia-Mitteilung unter der Leitung von Patrick Feuz das Thema Meinungen und Debatte für die urbanen Titel Bund, Basler Zeitung und Tages-Anzeiger neu konzipiert.

Die Ressortleitungen setzen sich zusammen aus Redaktionsmitgliedern von Bund und Berner Zeitung: Chantal Desbiolles, Marcello Odermatt und Stefan Schnyder leiten das Ressort Bern. Sandra Rutschi und Stephan Künzi sind für das Ressort Region zuständig. Das Ressort Gesellschaft & Kultur ist bei Regula Fuchs angesiedelt, und Florine Schönmann ist verantwortlich für das Ressort Desk/Interaktion.

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Im Herbst 2020 gab Tamedia bekannt, dass in Bern «Synergien in der kantonalen und städtischen Berichterstattung» gefunden werden sollen. Die Gewerkschaften beklagten schon damals das Ende des «Berner Modells» (persoenlich.com berichtete).

«Schlimmste Befürchtungen bewahrheitet»

Jetzt, wo bekannt ist, dass mindestens 20 Vollzeitstellen von 70 wegfallen, spricht die Gewerkschaft Syndicom von einem «Kahlschlag». Bei einer Reduktion um ein Drittel des Personals hätten sich die schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet. Syndicom fordert, dass Tamedia die Entlassungen auf ein Minimum reduziert und für den nicht vermeidbaren Teil dieses Abbaus zu einem fairen Sozialplan Hand bietet.

Dabei müsse sich Tamedia an den besten Lösungen der Branche orientieren, etwa bei Keystone-SDA, Le Matin oder der SRG. «Wegen der aktuell schwierigen Situation für stellenlose Medienschaffende gehören dazu auch gute Lösungen für vorzeitige Pensionierungen und besondere Abgangsentschädigungen für die über 50-Jährigen», schreibt Syndicom. Die diesbezüglichen Verhandlungen würden sich «aber seit Monaten ohne annehmbares Resultat in die Länge ziehen». (eh)



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Kommentare

  • Victor Brunner, 08.04.2021 12:46 Uhr
    Artikel: "Der Bund will seinen Meinungs- und Debattenteil stärken und die breitere Ausland- sowie Kulturberichterstattung aufweisen, während die Berner Zeitung auf eine umfassendere Regionalberichterstattung sowie den Sport setzt". Eine weitere üble Strategie von Tamedia. Wer umfassend informiert sein will muss beide Titel abonnieren. Aber nur eine Redaktion, wie soll das gehen!
  • Lahor Jakrlin, 08.04.2021 12:21 Uhr
    Dieser Eiertanz um zwei Titel wird immer lächerlicher. Die Konkurrenz zwischen Bund und BZ ist rein künstlich, die Zeitung besteht aus einem Newsroom, und die Einteilung «Linke Texte zum Beamten-Bund und bürgerliche zur Land-BZ» ist reine Camouflage, die Inhalte sind – siehe online – nahezu deckungsgleich. Dieses unnötige Trauerspiel wird von Tamedia nur wegen der laut schreienden Berner Linken durchgeführt, in Sachen Arbeitsplätze ist es längst eine Redaktion. Ein «belebender» Wettbewerb findet weder unter Journalisten noch auf dem Anzeigenmarkt statt. Einzige echte Konkurrenz bildet Berns Wochenzeitung «Bärnerbär», die (ohne Aboeinnahmen!) sogar die Coronakrise gut meistert und das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben der Stadt erstaunlich gut wiedergibt.
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