"Es waren nur wenige Zeilen." Mit diesem Satz startet Peer Teuwsen diese Woche einen Artikel in der "Zeit". Er nimmt Bezug auf seinen vor einer Woche publizierten Artikel "Ein Fall von Demagogie", welcher auch auf "persoenlich.com" sehr oft angeklickt und kommentiert wurde ("persoenlich.com" berichtete). "Ein fulminanter Artikel, danke Peer Teuwsen", "Peer Teuwsen und seinesgleichen sind offensichtlich blind auf dem linken Auge" schreiben zwei Kommentatoren. Während ein anderer fragt, ob die Medien tatsächlich die SVP ignorieren sollten und die Antwort gleich selbst gibt: "Das ist ja bereits jetzt der Fall." Eine andere Stimme postuliert: "Teuwsens Empfehlung, die Themen der SVP zu ignorieren, befolgen die Medien ja schon lange. Dumm für ihn als Journalisten, dass die Menschen ihre eigenen Erfahrungen machen und ihre Lebenswelt nicht in den Medien gespiegelt finden und diesen deshalb entsagen."
Lammfromme Medien
Offenbar hat Teuwsens SVP-kritischer Text über verdrehte Wirklichkeit und die Rolle der Medien grösseres Echo erzeugt, als erwartet. Nicht nur auf "persoenlich.com". "Überwältigend" seien die Reaktionen der Leserschaft, schreibt Teuwsen in der aktuellen Ausgabe von der "Zeit". Duzende hätten ihn ihre Zustimmung wissen lassen. Teuwsen zitiert etwa den Leser Christian Speich aus Winterthur, der geschrieben habe: "Mit wachsender Verbitterung habe ich verfolgt, wie die Grosszahl der schweizerischen Medien lammfromm die entsetzliche SVP-Ideologie akzeptiert und sich zum Teil auch noch um ihre Weiterverbreitung kümmert."
Forderung nach mehr Gemeinsinn
In seinem Text fordert Teuwsen dazu auf, diejenigen Instrumente zu nutzen, welche den Bürgern zur Verfügung stehen: Volksinitiativen, Referenden, Parteigründungen. Ausserdem ruft er dazu auf, "das Prinzip, das auf der Ökonomisierung vorhandener Ängste durch Politik und Medien fusst", konsequent abzulehnen. "Es braucht eine neue Lust an der Politik." Man dürfe nicht mehr hinnehmen, dass Politiker als Klasse diffamiert werden. "Wer das tut, schiesst sich ins eigene Knie. Politiker sind Volksvertreter." Das Volk müsste ihnen vermehrt den Rücken stärken, damit sie sich auch einmal gegen diejenigen stellen würden, die ihnen die Stimme gegeben haben. Gegen das Volk also. Denn auch das Volk habe nicht immer recht. Nur so könne entstehen, was in der Schweiz dringend gebraucht werde: Gemeinsinn.
Köppel will Polarisierung
Diametral anders sieht dies Roger Köppel. Er fordert im Editorial der aktuellen "Weltwoche" keine Hinwendung zu Gemeinsinn, sondern mehr Polarisierung. Der Ruf nach Mässigung sei scheinheilig und falsch. Die Schweizer Demokratie lebe von robusten Auseinandersetzungen. "Es wird mit harten Bandagen gekämpft. Wer sich beleidigt fühlt, kann Verleumdungsklagen anstrengen oder die Arena verlassen. Übersensible Gemüter sollten sich aus dem Geschäft fernhalten." Köppel sieht in der Polarisierung deshalb einen Segen, weil dieses Prinzip dafür sorge, dass alle Argumente ungeschminkt auf den Tisch kommen würden. "Nur wer beide Seiten sieht, kann fundiert eine Meinung bilden." (eh)

