11.05.2004

Studie

Thema "häusliche Gewalt" in den Printmedien

Zu oft als Privatsache abgetan.

Obwohl das Ausmass an häuslicher Gewalt in der Schweiz gross ist -- jede fünfte Frau war schon einmal betroffen --, wird sie oft als Privatsache abgetan. Dies zeigt eine Studie, die den Umgang mit diesem Thema in den Printmedien untersuchte. Die Art und Weise, wie Printmedien informieren, beeinflusst die Haltung der Öffentlichkeit zu einem Thema, schreibt der Verein zum Schutz misshandelter Frauen und Kinder Zürich in einem Communiqué vom Dienstag. Aus diesem Grund beauftragte er das Psychologische Institut der Universität Zürich mit einer Studie.

Fazit der Untersuchung ist, dass häusliche Gewalt in den Medien selten als gesamtgesellschaftliches Phänomen behandelt werde. Oft werde das einzelne Delikt isoliert betrachtet und den langjährigen Gewaltgeschichten keine Beachtung geschenkt, heisst es weiter. Die Studie zeige zudem, dass allgemein zu wenig zum Thema recherchiert werde.

Häufig spiele bei Medienberichten die Doktrin "Sex and Crime" mit. So war gemäss der Studie in 62 Prozent der Fälle von sexueller Gewalt die Rede, nur gerade in 19 Fällen aber von psychischer Gewalt. Dies ergebe ein verzerrtes Bild der Realität und lasse die weite Verbreitung alltäglicher Gewalt in Beziehungen ausser Acht.

Weniger schwerwiegende Gewaltformen wie etwa Einsperren, Drohen oder Randalieren werden gemäss Studie tendenziell verharmlost. Weiter bemängeln die Untersuchenden, dass zu den meisten Fällen selten Hintergrundinformationen bekannt gegeben würden. In nur 12 Fällen von 351 fallbezogenen Artikeln wurde dies getan.


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen