Knapp drei Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Russland gerät ein weiteres unabhängiges Medium ins Visier der Behörden. Es werde untersucht, wie der unabhängige TV-Sender Doschd die Berichterstattung über Regierungskritiker finanziert habe, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit.
Zuletzt waren Russen landesweit gegen den erneut ins Präsidentenamt strebenden Ministerpräsident Wladimir Putin auf die Strasse gegangen. Abgeordnete der Regierungspartei Einiges Russland hatten eine Untersuchung zuvor formal beantragt. Doschd habe Proteste zum Teil selber organisiert, sagte der Abgeordnete Robert Schlegel, ein früherer Sprecher der Putin-treuen Jugendorganisation Naschi. Putin hatte zuletzt in derben Worten den kremlkritischen Radiosender Echo Moskau verunglimpft und damit Sorgen vor einem weiteren Vorgehen gegen kritische Journalisten geschürt. Der jüngste Vorstoss wurde unter Redaktoren aber eher als Zeichen für die Unruhe im Regierungsapparat interpretiert.
"Das deutet auf eine Nervosität bei verschiedenen Staatsorganen hin, aber vielleicht wollte sich jemand auch nur bei seinem Chef beliebt machen", sagte Stanislaw Koutscher vom Radiosender Kommersant-FM. Während Putins Präsidentschaft kamen alle führenden landesweiten russischen Nachrichtensender und viele Printmedien direkt oder indirekt in Staatsbesitz. Putin ist trotz der jüngsten Proteste klarer Favorit für das Präsidentenamt, dass er bereits von 2000 bis 2008 innehatte. (sda)

