05.10.2012

"Sonntag"

"Unsere Leser wollen kein Telefonbuch"

Patrik Müller zum 5-Jahres-Jubiläum seiner Zeitung.

Sie sind seit der Geburt des "Sonntag" dabei, werden in letzter Zeit aber immer wieder für andere Posten gehandelt. Wie lange bleiben Sie der Zeitung als Chefredaktor noch erhalten?

An unserem Jubiläumsfest habe ich gesagt, dass ich mich schon jetzt auf das 10-Jährige freue. Ich bin jetzt 37 und habe noch viel Zeit.

Ist der "Sonntag" heute dort, wo Sie ihn nach den ersten fünf Jahren haben wollten?

Noch nicht, sonst müsste ich mir tatsächlich eine neue Aufgabe suchen. Journalistisch haben wir mit unserer Redaktion vielleicht das Maximum herausgeholt, was aber die geografische Verbreitung und die Auflage betrifft - wir sind ja die Nummer drei der Deutschschweiz - haben wir noch ehrgeizigere Ziele.

Welche Ziele haben Sie sich als "Sonntag"-Chefredaktor für die Zukunft gesteckt?

Viele Zeitungen haben den Fehler gemacht, dass sie, weil sie erfolgreich waren, stetig ausgebaut und mehr Umfang gebracht haben. Das tun wir nicht. Unsere Leser schätzen, dass sie kein Telefonbuch nach Hause geschickt erhalten, sondern eine übersichtliche Zeitung, die auf jeder Seite Wichtiges bringt. Unser Konzept ist, die Zeitung stetig weiterzuentwickeln, zuletzt etwa mit zwei neuen Kolumnen, von Ex-UBS-Chef Oswald Grübel und Master of Wine Paul Liversedge. Zudem treiben wir die Vernetzung mit Social-Media weiter voran, da sind unsere Leute sehr aktiv.

Der "Sonntag" geniesst in der Medienbranche heute grosse Beachtung. Die Leser nehmen ihn allerdings oft als regionale Sonntagszeitung wahr. Haben Sie überhaupt Ambitionen, auch ein national bedeutsames Blatt zu zu publizieren?

Auf jeden Fall, und ich meine, wir haben das publizistisch auch erreicht. Oft wird 'national' mit 'Zürich' gleichgesetzt, was natürlich Unsinn ist. Wir sind genauso national oder regional wie die 'Sonntagszeitung' oder die 'NZZ am Sonntag' - diese haben nämlich den Grossteil ihrer Leser im Raum Zürich, wir haben den Grossteil im Dreieck zwischen Zürich, Bern und Basel. Wobei wir jetzt mit Basel auch in einer Grossstadt drin sind. Auf das Regionale bin ich stolz, unsere Regionalbünde sind in Basel, Solothurn, im Aargau und Zürcher Limmattal ein wichtiges Abo-Motiv.

Welche Ziele möchten Sie in Ihrer persönlichen Karriere noch erreichen?

Es tönt wenig spektakulär, ist aber so: Ich möchte einen Job machen, in dem ich jeden Tag Herzblut vergiesse - und auch Zeit für meine Familie haben. Beim "Sonntag" stimmt beides.

Wie feierten Sie das fünfjährige Jubiläum?

Wir haben am Donnerstagabend mit 150 Gästen und VIPs ein kleines, aber feines Fest gefeiert. Es war so wie unsere Zeitung: Schlank, aber qualitativ hochstehend und mit vielen Eigenleistungen - der Wein kam aus Peter Wanners eigenem Rebberg.

Interview: Claudia Thöny


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