11.01.2008

NZZ

"Verhaltenskodex für 'saubere' Medien fördert Heuchelei"

Vorhaben der Medienbranche bloss ein Papiertiger?

Nach jahrelangen Bemühungen hat die Schweizer Medienbranche einen Verhaltenscodex ins Leben gerufen, der zu einer strikteren Trennung von journalistischen Inhalten und kommerzieller Werbung führen soll. 147 Titel der Schweizer Presse haben den Code of Conduct bis dato bereits unterzeichnet. Mit ihrer Unterschrift verpflichten sie sich, ihrem Publikum transparent zu machen, welche der Inhalte redaktioneller Natur sind, und welche kommerziell motiviert sind. Unterstützt wird der Verhaltenskodex wird von der Konferenz der Chefredaktoren, den Verlegerverbänden in der Deutschschweiz, der Westschweiz und im Tessin sowie von den Verbänden der Schweizer Werbebranche (BSW, SWA, ASW, FRP).

Von diesem Vorhaben nicht viel hält offenbar die "NZZ". Medienredaktor Rainer Stadler bezeichnet die Pläne der Vorkämpfer zwar für edel. Dass es ihnen gelinge, den real existierenden Sumpf auszutrocknen, hält er allerdings für fraglich. "Erfolgreiche Korruption zeichnet sich dadurch aus, dass alle Beteiligten dank gemeinsam Schweigen gegenseitig voneinander profitieren. Zu befürchten ist, dass neue Regeln dazu führen, dass künftig etwas perfekter geheuchelt wird", schreibt Stadler.

Er wirft im Kommentar die Frage auf, ob man es wohl wagen werde, in den Ausführungsbestimmungen eine Regelung für Whistle Blower einzuführen und schlägt zugleich vor, dass Redewillige vielleicht mit einem neuen Medienpreis ausgezeichnet werden könnten, etwa mit dem "Ritter der sauberen Kommunikation".


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