08.01.2026

Dreikönigstagung

Verleger kämpfen gegen KI-«Piraterie»

Der Verlegerverband Schweizer Medien hat sich am Donnerstag erneut besorgt über die Nutzung von Medieninhalten durch künstliche Intelligenz gezeigt. Er erneuerte die Forderung eindringlich, dafür entschädigt zu werden.
Dreikönigstagung: Verleger kämpfen gegen KI-«Piraterie»
VSM-Präsident Andrea Masüger fordert eine Vergütungspflicht für KI-Firmen, die journalistische Inhalte nutzen. (Bild: Oliver Rüesch)

Die «Piraterie» im Bereich der KI werde für die Medien zu einem immer grösseren Problem, sagte der Präsident des Verbandes Schweizer Medien (VSM), Andrea Masüger, am Donnerstag beim Jahrestreffen im Aura in Zürich vor rund 240 anwesenden Gästen. Zuvor hatte der Anlass mit einer Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana begonnen.

Masüger betonte, dass Plattformen wie Google oder ChatGPT in 70 Prozent der Fälle auf von Medien produzierte Inhalte setzen, um Fragen zu aktuellen Themen zu beantworten. Die Verleger setzen ihre Hoffnungen auf die von FDP-Ständerätin Petra Gössi eingereichten Motion, die vom Parlament angenommen wurde und eine Vergütungspflicht für die Nutzung journalistischer Leistungen durch KI vorsieht.

Kritik an Forschung und Weko

Masüger zeigte sich in diesem Zusammenhang überrascht über die Stellungnahme von rund 90 Professoren der Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH). Diese schrieben, dass die Motion die KI-Forschung gefährde und Schweizer KI-Modelle nicht mehr trainiert werden könnten. Dies komme den US-Internetgiganten zugute. Masüger erklärte, dass die intellektuelle Elite der Schweiz zum ersten Mal für einen medialen «Wilden Westen» plädiere.

Der Verlegerpräsident kritisierte auch die Vorbehalte der Wettbewerbskommission (Weko) gegenüber der zwischen den Verlegern und der SRG geschlossenen Vereinbarung. Mit Letzterer hatte man laut dem Bündner das «Kriegsbeil begraben». Die SRG erklärte sich bereit, ihre Präsenz im Internet zu reduzieren – im Gegenzug für den Support der Verleger bei der Kampagne gegen die Halbierungsinitiative, über die am 8. März abgestimmt wird (persoenlich.com berichtete).

Die Weko beurteilte die eingeschränkte Online-Präsenz als unzulässig. Sie äusserte auch Vorbehalte gegen die Zusammenarbeit im Bereich KI und wies auf eine mögliche Wettbewerbsverzerrung zum Nachteil von «Big tech» hin. «Hier ist es so, dass der Goliath vor dem David geschützt wird», empörte sich Masüger. Die Weko lebe «auf dem Mars». (sda/cbe)

Von Sandro Mühlebach, Keystone-SDA


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