06.01.2012

Roger Köppel

Verteidigt Hildebrand-Berichte

"Weltwoche" sieht sich selber nicht im Widerspruch.

Was sagen Sie zum Artikel im "Tagesanzeiger", wonach die "Weltwoche" möglicherweise instrumentalisiert worden ist?

Die "Weltwoche" hat anhand der erstmals publizierten Kontoauszüge Philipp Hildebrands aufgedeckt, dass Hildebrand parallel zu gravierenden währungspolitischen Entscheiden als SNB-Präsident private Devisengeschäfte auf seinem Konto tätigte. Diese Enthüllung hat dazu geführt, dass Hildebrand eine Pressekonferenz machen, einen moralischen Fehler einräumen und gleichzeitig bekanntgeben musste, er habe 75'000 Franken einbezahlt gegen die Vorwürfe, was als Schuldeingeständnis zu werten ist.

Erst durch die Weltwoche sind die unter Verschluss gehaltenen Reglemente und Prüfberichte veröffentlicht worden. Die Ergebnisse der Prüfberichte, die beschönigend von "heiklen" Transaktionen sprechen, widersprechen zudem den Erklärungen des Bankrates, der die "Gerüchte" gegen Philipp Hildebrand als "haltlos" bezeichnet hatte. Das hat nichts mit politischer Instrumentalisierung zu tun, sondern mit der journalistischen Pflicht, auf diesen unhaltbaren Interessenkonflikt zwischen dem Devisenspekulant Hildebrand und dem Notenbankchef Hildebrand hinzuweisen. Wir schaffen Transparenz.

Stimmt es, dass Ihre Berichterstattung nur auf mündliche Aussagen von Hermann Lei abgestützt war?

Nein. Wir haben unsere Berichterstattung vor allem auf die erstmalige Publikation von einem von Philipp Hildebrands Privatkonti abgestützt. Daneben gab es schriftlich bestätigte Aussagen des Anwalts Hermann Lei und anderer Quellen.

Wie kamen Sie zur Aussage, wonach nicht Frau Hildebrand, sondern Philipp Hildebrand persönlich die heikle Transaktion vom August ausgelöst hatte? Durch Aussagen von Hermann Lei oder über "andere Quellen"?

Kern unserer Berichterstattung war die Dokumentation der Kontoauszüge von Herrn Hildebrand, die eindeutig belegen, dass die Devisengeschäfte auf seinem Konto stattfanden, nicht wie von der Sonntagspresse (NZZ am Sonntag) kolportiert auf dem Konto seiner Frau. Daneben hatten wir die schriftlich bestätigten Angaben des Anwalts, was den Telefonanruf betrifft. Für uns wesentlich ist die Dokumentation der Devisengeschäfte auf dem Privatkonto von Herrn Hildebrand parallel zu den SNB-Interventionen. Nirgends ist ersichtlich, dass die Frau im Verlaufe des Jahres ein Geschäft getätigt haben soll.

Bereuen Sie es, Hildebrand als Spekulanten, resp. "geschniegelten Gauner" bezeichnet zu haben?

Diese Formulierung ist so nicht im Blatt. Tatsache ist: Wenn ein Notenbankpräsident seine Vertrauensstellung, die er kraft seines Amtes geniesst, und seine privilegierten Informationen zu parallelen Devisentransaktionen, wie auf dem Privatkonto dokumentiert, ausnützt, dann handelt er moralisch und ungeachtet der strafrechtlichen Konsequenzen hochgradig unseriös, so dass auch starke Begriffe gerechtfertigt sind. Hildebrand hat mehrmals selber Fehler zugegeben, wie auch seine als Schuldeingeständnis zu wertende Spende belegt.

Nun gut, im Bericht von Urs Paul Engeler heisst es: "Der vielgerühmte und auffällig geschniegelte Herr Hildebrand selbst entpuppt sich als Gauner, der sich illegal Vorteile erschleicht". Aber: Was hätten Sie im Nachhinein anders gemacht?

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung haben wir alle uns zugegangenen Informationen nach bestem Wissen und Gewissen geprüft. Wir haben keinen Grund, an diesen Informationen zu zweifeln, die belegen, dass Nationalbankpräsident Hildebrand parallel zu seinen SNB-Entscheiden private Devisengeschäfte tätigte, was meines Erachtens ein Skandal ist.

Interview: Edith Hollenstein


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